Christoper Brookmyre – Pandaemonium

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Wer geschriebenen schottischen Akzent nicht entziffern kann, dem sei von Brookymre abgeraten. Wer aber eine Vorliebe für schwarzen Humor, detailreiche Charaktere und die charmante Vermischung von B-Movie-Plots mit kritischer Gesellschaftsbeobachtung hat, dem seien seine Werke wärmstens ans Herz gelegt.

Die letzten fünf Bücher, die ich gelesen habe, sind von Christopher Brookmyre. Pandaemonium war das beste.

Es beginnt wie eine typische High-School-Geschichte. Dreißig Schüler in einer Art Jugendherberge in den schottischen Highlands, Alkohol, überbordende Hormonspiegel, Cliquen, Liebeleien, Fehden. Der Anlass für den Ausflug ist aber düster: All diese Schüler waren Zeuge eines Mordes an einem Mitschüler. Nichtsdestotrotz wird gefeiert.

Gleichzeitig bricht in einem nahegelegenen, strenggeheimen Militärlabor wortwörtlich die Hölle aus: Aus einer Art Wurmloch entkommen Dämonen. Bislang konnten sie unter Kontrolle gehalten werden, doch als auf Anraten der Katholischen Kirche die Einrichtung geschlossen werden soll, rastet der Forscher Steinmeyer aus (hm…) und lässt die klauenbewehrten, blutgierigen Monster frei.

Es kommt, wie es kommen muss: Bis die Schüler mit ihren Lehrern und der Hilfe des Hausverwalters (zufälligerweise ein Ex-Soldat, vormals in besagter Anlage stationiert) eine Gegenwehr organisieren können, wird die Zahl der Ausflügler heftig dezimiert.

So weit, so banal. Dass die Ungeheuer aber explizit als Dämonen identifiziert werden und den letztlichen Oberbefehl über die Forschungsanlage ein Kardinal hat, ist eine interessante Idee. Wieder vermischt Brookmyre den profanen Alltag normaler Menschen mit einer überraschend bizarren Situation. Was sich anfangs wie ein unterhaltsames Buch liest, entwickelt sich aber zu heftiger Kirchenkritik. Erst in den letzten Seiten wird klar, warum die Dämonen Menschen angreifen, warum sie überhaupt Dämonen sind und welchen Nutzen die katholische Kirche davon hat – und die Erklärung ist keine offensichtliche, und überraschende Wendungen kommen nicht im Doppel-, sondern eher im Sixpack.

Ob Brookmyre jemals ins Deutsche übersetzt wird, wage ich zu bezweifeln. Dabei ginge wahrscheinlich auch eine Menge Wortwitz und Atmosphäre verloren. Dennoch empfehle ich jedem, der des Englischen mächtig ist (und der sich in einen ungewohnten Akzent einlesen kann), eins seiner Bücher zu erwerben, zu lesen und weiterzuempfehlen. Außerdem kann man sich damit brüsten, individuell zu sein und „nicht nur zu lesen, was es auch im Supermarkt an Büchern gibt“, i.e. Grisham oder Clancy. Oder Meyer.

Bücher zu bewerten ist natürlich eine subjektive Sache, mehr noch, als das bei Musik der Fall ist, wie ich finde. Aber damit es einen Anhaltspunkt gibt:

87%.

Kauft dieses Buch.

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