The Drums – The Drums (2010)

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Whoa. The Smiths, oder wie?

Als ich vor einigen Wochen auf MTV (ja, die spielen manchmal noch Musik) das Video zu „Forever And Ever Amen“ gesehen habe, hätte ich es ja für irgendwas aus den frühen 80ern gehalten – ein grobkörniges Video mit Typen mit Prä-Emo-Frisuren und Röhrenjeans. Was mich dann doch am Alter des Videos hat zweifeln lassen, waren erstens die „Vans“-Schuhe und zweitens die Tatsache, dass die MTV-Show „brandneu“ heißt.

Was aber nicht heißt, dass die Band brandneu klingen muss, um gut zu sein. Aus Interesse an dieser seltsam ambivalenten so-sehr-nicht-Mainstream-dass-es-wieder-Mainstream-ist-Masche habe ich mir also das selftitled Quasidebüt der Drums angehört.

Es ist für die heutige Zeit schon ein ziemlich minimalistischer Sound, der ohne Schnörkel und auf den Punkt aus meinen Boxen kommt. Stoische E-Drums, simple, aber irgendwie effektive Gitarrenlines und der teils ziemlich melancholische Gesang kommen zu einem ziemlich harmonischen Ganzen zusammen, das durch gelegentliche Synthies oder, wie im Fall von „Let’s Go Surfing“ (der Grund, warum die Drums fälschlicherweise schon als Nachfolger der Beach Boys bezeichnet wurden), Pfeifen unterstützt wird. Gottseidank nicht so ein Pfeifen wie in „Wind Of Change“.

„We only write about two feelings: one is the first day of summer when you and all of your friends are standing on the edge of a cliff watching the sun set and being overcome with all of your hopes and dreams at once. The other is when you’re walking alone in the rain and realize you will be alone forever.“

Trifft es auch ganz gut.

Irgendwie macht dieses Album süchtig. Es sind eigentlich ziemlich einfache, kurze Songs, aber man will sich die Platte immer unbedingt am Stück anhören und nicht nur einzelne Songs. Sie sind nicht besonders catchy und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich die Drums jemals in den oberen Rängen irgendwelcher Singlecharts wiederfinden werden. Ich vermute auch, dass der Erfolg im Mainstream-Mainstream (ich meine den wirklich kleinsten gemeinsamen Nenner der Top Ten) auf Dauer mehr als nur einen Steinwurf entfernt sein wird. Schade eigentlich.

Allerdings ist der Retro-Look und -sound dieser Myspaceband wohl ziemlich rational durchkalkuliert. Der Hype um sie auch. Noch mögen sie die coolste Indieband in ganz New York sein, aber Hypes sind schnellebig, wohl besonders in New York. Die Hipsterszene hat sich vielleicht schon längst abgewandt, bevor wir hier in Deutschland einen ersten guten Blick auf die Drums haben werfen können.

Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen oder sowieso ist „Drums“ ein wirklich gelungenes Album für Leute, die auf die Smiths stehen und auf coole Bands und einen weniger zeitlosen als entschieden gestrigen Sound. Aber durch den relativ simplen (das ist ja nichts schlechtes), kompakten und vor allem einheitlichen Sound besteht die Gefahr, dass die Songs, aus dem Zusammenhang des Albums gerissen, etwas verloren wirken und ein bißchen wie nicht fertiggestellte Demos.

Trotzdem stechen meines Erachtens einige Songs heraus. Nicht ohne Grund etwa wurde „Forever And Ever Amen“ als Auskopplung gewählt. Gut gefällt mir etwa auch der Reverb-Chorus und nostalgische Feel von „Book Of Stories“. „Down By The Water“ ist wohl das, was bei den Drums als Ballade durchgeht. Toller Anti-Bombast, seeehr reduzierter Sound und wirklich gequälter Gesang mit einfühlsamen Text. Auch „The Future“, der Rausschmeißertrack des Albums, hinterlässt die Platte in gutem Licht.

Well, well, die Bewertung. Dass die Drums einen Stil repräsentieren, den ich selbst seltener höre und mit dem ich mich weniger auskenne, darf natürlich kein Grund für eine schlechte Bewertung sein. Ich bleibe trotzdem bei meiner Kritik, was die Eintönigkeit bei unkonzentriertem Zuhören angeht, spreche aber mit

82%

eine fast uneingeschränkte Kaufempfehlung aus.

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