Test: No More Heroes 2: Desperate Struggle (Wii)

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Schummriges Licht, pornöse Musik und vor mir eine attraktive Frau, die zuerst lässig an ihrer Zigarette zieht und dann durch eine langsame Bewegung ihrer Beine das Muster ihres Höschens preisgibt… Nein, das hier ist weder Tarantino, noch der Himmel. Es ist der zweite Teil von No More Heroes, der wieder mal einen atemberaubenden Charme besitzt. Wer den ersten Streich gespielt hat, weiß wovon ich rede, denn bezüglich des einmaligen Stils hat sich eigentlich nichts geändert: Euch erwartet erneut ein kunstvolles, bizarres, krasses und kurzweiliges Action-Adventure.

Die Story des Spiels ist relativ schnell erzählt und sowieso eher nebensächlich. Zuerst aber vielleicht zwei, drei Worte zur Vorgeschichte: Protagonist Travis Touchdown ist ein wahnsinniger, sexsüchtiger Versager, der sich aufgrund einer Art Wette im Suff mit einem Laserschwert durch die Top 10 der amerikanischen Killer schnetzelt. Soweit, so gut. Nun, in Teil 2, ist Travis eine Legende und in aller Munde – und folglich auch auf den Wanted-Plakaten einiger Missgönner. So tötet zu Beginn ein Unbekannter Travis‘ besten Kumpel, was den Antihelden zu seinem Rachefeldzug durch die neue Top 50 motiviert (Travis war nämlich mittlerweile ausgestiegen). Viel mehr ist eigentlich auch nicht zu sagen, denn auch die regelmäßig vorangetriebene Story blieb mir bis zuletzt größtenteils schleierhaft. Aber egal! Bei diesem Spiel will ich auch keine tiefgehende Dramenstruktur!

Ihr kämpft euch also nach und nach immer weiter in Richtung Nummer 1 und erledigt zwischendurch verschiedenste Dinge. So verdient ihr euch etwa durch Nebenjobs Kohle, mit der ihr euch zum Beispiel im Fitnessstudio aufleveln könnt, ein neues Outfit oder gar neue Laserklingen leisten dürft. Die Jobs sind bis auf eine Ausnahme übrigens im klassischen 8-Bit-Look gehalten, machen aber keinen übermäßigen Spaß. Überhaupt ist dieser Retrostil allgegenwärtig im Spiel. Euch erwartet ein nie dagewesener Stilmix aus übergroßen Pixeln und blutigem Comic-Look; ein skurriler aber einfach nur cooler Stilbruch! Sehr schade finde ich die Tatsache, dass man das nette Städtchen Santa Destroy nicht mehr wie in GTA-Manier frei erkunden kann. In Teil 1 war dies möglich und verlieh dem Spiel noch zusätzlich Atmosphäre durch die erhöhte Freiheit im Spiel (auch wenn die Stadt nicht besonders liebevoll gestaltet war). Falls ihr euch noch über die oben genannte Top 50 freut, kann ich euch dieses Gefühl gleich wieder nehmen. Ihr geht nämlich beispielsweise nach der Nummer 50 direkt auf den 25. Killer los und ergattert euch seinen Rang. So ergeben sich insgesamt 15 richtige Bosskämpfe, die aber wieder top inszeniert und teils auch echt happig sind! Außerdem bestreitet ihr nicht alle Kämpfe als Travis, sondern übernehmt auch mal zwischendurch die Kontrolle über alte Bekannte: Shinobu und Travis‘ Bruder Henry kämpfen an eurer Seite und besitzen sogar eigene Moves. Dies ist nur einer von mehreren Aspekten, die das Spiel ziemlich kurzweilig machen. Ein weiteres Beispiel gefällig? Einen Bosskampf tragt ihr als riesiger Roboter im Godzilla-Style gegen einen ebenso großen Kontrahenten aus. Das ganze läuft wie ein gutes altes Beat ‘em up in der 2D-Seitenansicht ab und erinnert nicht zuletzt wegen der Energiebalken am oberen Bildschirmrand an Tekken oder Street Fighter.

Musikalisch gibt es für jeden Geschmack etwas. Ob coole Elektro-Beats oder Kettensägenmucke beim T-Shirt-Händler; die Musik passt jederzeit gut zum Geschehen. Technisch sieht’s dagegen eher mau aus. Die Grafik ist einigermaßen Simpel gehalten und immer wieder treten Ruckler oder Kameraprobleme auf – da wär auf jeden Fall mehr drin gewesen. AAABER: Ich stimme voll und ganz meinem alten N-ZONE Kollegen Thomas Eder zu, der mir aus der Seele spricht: „Selten habe ich einem Spiel so viel verziehen wie No More Heroes 2.“

Ich bin einfach ein Riesen-Fan der Serie und hab mich tierisch auf die Fortsetzung gefreut – und ich wurde nicht enttäuscht! Das Teil knüpft nahtlos am Vorgänger an und gibt mir aber sowas von das, was ich mir erwartet habe. Der geniale Humor hat mich mehrfach zum Lachen gebracht: Ob nun ein halbnackter Travis, der nach einem Quicky auf den Hof vor seinem Motel rennt und vor Freude die ganze Stadt zusammengrölt, oder auch die Selbstironie des Spiels – einfach nur köstlich. Als Travis zum Beispiel anfangs eine alte Bekannte wiedertrifft, entgegnet diese genervt: „Es gibt auch viele Leute, die Teil 1 nicht gezockt haben also sparen wir uns das sentimentale Gelaber!“. No More Heroes 2: Desperate Struggle nimmt sich einfach zu keinem Zeitpunkt ernst, und das kommt dem frischen Spielerlebnis sehr zugute. Ich kann die Serie jedem (ab 18) nur wärmstens ans Herz legen; vor allem Actionfans und denjenigen, die ein solches Spiel auch als Kunstwerk sehen wollen. Die Spieldauer betrug bei mir übrigens etwa zwölf Stunden; geht aber auch ne Ecke schneller… Wer also über die technischen Mängel und die gestiegene Linearität hinweg schauen kann, der wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch seinen Spaß haben.

Wertung: 86 %

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