Tom Petty & The Heartbreakers – Mojo (2010)

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„Tom wer und die wer?“

Wenn ich Menschen von dieser meiner Lieblingsband erzähle, wissen die wenigsten, wen ich meine. Das liegt natürlich an der unglaublichen Ignoranz aller Menschen, die einen anderen Musikgeschmack haben als ich.

Wenn ich aber auf Songs wie „Learning To Fly“, „Into The Great Wide Open“ oder vor allem „Free Fallin'“ hinweise, erhalte ich ein Mindestmaß an Wiedererkennung.

Tom Petty und die Heartbreakers haben jedenfalls ein neues Album veröffentlicht.

Natürlich war Tom Petty immer stark vom Blues beeinflusst. Bisher konnte man Tom Petty und die Heartbreakers aber als straighten Rock n‘ Roll bezeichnen.

Diese Verteilung hat sich auf „Mojo“ verschoben. Man kann nicht behaupten, dass sich Tom Petty und die Heartbreakers im Laufe ihrer ewigen Karriere nicht verändert oder weiterentwickelt hätten, sie sind allerdings eine dieser Bands, die man sofort am Stil erkennt. Auch „Mojo“ fällt nicht vollkommen aus der Reihe, die Blueseinflüsse stehen aber hier stärker im Vordergrund als bei anderen Alben.

Der Opener ist „Jefferson Jericho Blues“, und das setzt den Ton für das ganze Album. Dass der Rock manchmal hintenansteht, kennt man von Klassikern wie „Breakdown“, aber bei Songs wie „First Flash Of Freedom“ ist ersichtlich, dass es sich um ein neues Album handelt. Wer „The Last DJ“ kennt, wird sich an einige Songs erinnert fühlen. Abgesehen von den reverblastigen Schlagwortrefrains wird hier mit Gitarre und Orgel gejammt, dass einem das Herz aufgeht. Dazu kommt etwa auf „Running Man’s Bible“ die Slide Guitar, die natürlich zum bluesigen Feel passt.

„The Trip To Pirate’s Cove“ war schon beim ersten Anhören einer meiner Lieblings-Petty-Songs; wenige Bands schaffen es, so gediegene und trotzdem interessante Songs zu schreiben. Bei „Candy“ wiederum gibt Petty den Hillbilly zu einem lockeren Blues-Rock: „I don’t drink Coca Cola / But I sure like an old moonshine“.

„No Reason To Cry“ steht als entspannte Ballade vor dem auftreibendem „I Should Have Known It“, das härter rockt, als man es von diesem Album erwarten würde, inklusive Quasi-Hardrock-Riff; übergangslos geht es weiter mit „U.S. 41“, das mit Slide-Guitar und Mundharmonika, „Schlechtes-Mic“-Effekt über der Stimme und Shuffle-Rhythm einen Kontrastpunkt setzt.

„Takin‘ My Time“ hat mich anfangs erschreckenderweise an Black Sabbath erinnert – erschreckenderweise nicht, weil ich Black Sabbath nicht vergöttern würde, sondern weil ich bis jetzt wenig Übereinstimmungen zwischen den beiden Bands gesehen hatte. Wenn man allerdings bedenkt, wie bluesig der Metal von Iommi war, liegt ein Vergleich hier gar nicht so fern. Der stampfende Rhythmus, die Mundharmonika und das Wah-Wah von „Takin‘ My Time“ rücken es, zumindest für mich, in die Nähe von „The Wizard“.

„Let Yourself Go“ ist einer der schwächeren Songs; bei 15 Liedern auf einem Album lassen sich Filler wohl schwer vermeiden. „Don’t Pull Me Over“ erweitert die Riege der Stileinflüsse auf „Mojo“ um Reggae. Dazu tragen Offbeat, Drum-Rhythmus und nicht zuletzt die Songzeile „Should Be Legalized“ bei, auch wenn nicht ersichtlich ist, was genau damit gemeint ist. „Lover’s Touch“ wiederum siedelt sich in den Gefilden von „Trip To Pirate’s Cove“ an, ist ein langsamer, zurückgelehnter, bluesiger Song, während „High In The Morning“ ein solider, aber nicht herausstechender Rocksong ist.

„Something Good Coming“ erinnert mich an die Dire Straits, vor allem an Knopflers akzentuierendes Gitarrenspiel. Allerdings sollte man den Heartbreakers keinen Rip-Off unterstellen, denn wer einen so exzellenten Gitarristen wie Mike Campbell hat, braucht nicht bei anderen abzukupfern (für die Trivia-Enthusiasten: er hat auch Henleys „Boys Of Summer“ geschrieben). Der Closer des Albums, „Good Enough“, fasst das Album zusammen: lässiger Bluesrock mit langen Gitarrensoli.

Normalerweise spreche ich nicht jeden einzelnen Song eines Albums an, das ich hier bespreche. Das hatte hier allerdings einen Sinn. Denn nur, weil man „Mojo“ grob als Bluesrock bezeichnen kann, bietet es doch große Abwechslung und sehr verschiedene Songs. Sicherlich muss man auf die Heartland-Lyrics und die Stimme von Petty stehen, aber kann mir keinen Grund vorstellen, warum das nicht der Fall sein dürfte.

Wer nur die anfangs erwähnten Hits von Tom Petty und den Heartbreakers kennt, kann sich mit diesem Album einen guten Eindruck von der Bandbreite dieser Band machen, deren Songs aber trotzdem immer eindeutig ihnen zugeordnet werden können. Rundum: Das muss man erstmal schaffen.

Trotz einiger unbedeutender Durchhänger hinterlässt „Mojo“ bei mir einen exzellenten Eindruck. Alben wie diese wecken die Hoffnung in mir, dass manche Bands über Dekaden auf durchgehend hohem Niveau arbeiten können, ohne langweilig zu werden; und wenn aktuelle Musik es mal wieder nicht schafft, irgendeine Relevanz zu erlangen, weiß ich, dass es noch Bands gibt, an die ich mich wenden kann. In diesem Sinne:

88%.

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