Slash – Slash (2010)

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Slash meinte einmal in einem Interview, er würde es hassen, wenn Fans auf ihn zukämen mit einem aufgeregten „Oh man, it’s Slash from Guns N‘ Roses!“ und dass er viel freundlicher sei, wenn jemand „Oh boy, it’s Velvet Revolver’s Slash!“ sagen würde. Guns N‘ Roses ist ja auch mittlerweile lange genug tot. Nicht wahr, Axl?

Nach dem ersten Versuch eines Quasi-Soloalbums (d.h. mit einer Band, die auch etwas zu den Songs beigetragen hat – Slash’s Snakepit), erschien nun dieses Jahr das erste genuine Soloalbum in der langen Karriere von Saul Hudson. Und dafür hat er sich eine ganze Riege illustrer Gastmusiker besorgt.

Trotz dieser sehr unterschiedlichen und oft starken Charaktere an den Vocals hört man Slashs typischen Sleaze-Rock-Sound immer aus den Songs heraus. Die Palette reicht von dreckigen Rocks wie z.B. dem Opener „Ghost“ (mit The-Cult-Sänger Ian Astbury und Slashs altem G-N‘-R-Mitstreiter Izyy Stradlin) über Balladen wie „Gotten“ (mit Adam Levine von Maroon 5) zu Tracks, die stark in die Metal-Richtung gehen, inklusive Geschredder und Double-Bass wie „Nothing To Say“  mit M.Shadows von Avenged Sevenfold.

Einmal davon abgesehen, dass Slash nun selbst einer der größten Musiker unserer Zeit ist, hat er es aber auch geschafft, zwei Altmeister an Land zu ziehen, die wohl vor 30 Jahren selbst nicht mehr geglaubt hatten, auf einem Album vertreten zu sein, das 2010 erscheint: Ozzy Osbourne und Iggy Pop.

„Crucify The Dead“ scheint wie auf Ozzy zugeschnitten zu sein; man könnte es genausogut auf einem seiner Solo-Alben finden. Ähnlich verhält sich das mit dem punkigen „We’re All Gonna Die“, auf dem Iggy über – tatata, Sex, Drugs und Rock n‘ Roll singt.

Allerdings weist das Album auch gewisse Schwachstellen auf. Ich weiß zum Beispiel nicht, woran es liegt, aber ich kann mir Chris Cornell nur mit Soundgarden und, seltsamerweise, Audioslave anhören. Solo oder wie hier bei einem Feature geht mir seine Stimme extrem auf die Nerven. Außerdem ist sein Song generell nicht einer der stärkeren des Albums, auch wenn Slashs Melodien ungewöhnlich und cool klingen. Eine eher merkwürdige Kombo sind auch Fergie von den Black Eyed Peas und Slash. Anfangs hat sie mich mit ihrer sinnlich klingenden Stimme erstaunt, die gut zum Feel des Songs passt, und auch der Rap vor dem Refrain klingt tatsächlich ziemlich gut. Aber dann kommt eben der Refrain. Ich habe lange überlegt, woher ich die Melodie kenne, und dann kam ich drauf: Sie hat etwas von Lady Gagas „Paparazzi“, subtil. Und das kann natürlich keine gute Sache sein.

Sehr geil sind wiederum zum Beispiel der Blues-Rocker „Back From Cali“ mit Myles Kennedy von Alter Bridge oder das ruhige „By The Sword“ mit Andrew Stockdale von Wolfmother (eine Band, die ich sowieso jedem nur wärmstens empfehlen kann). Selbst die Kid-Rock-Collabo „I Hold On“ ist durchaus hörenswert, was wohl auch an Kid Rocks angenehmer Stimme liegt. Und an Slashs Gitarre.

Da liegt aber auch wieder das Problem: Slash Gitarrenspiel ist so ziemlich das einzige Merkmal, das alle diese Songs gemeinsam haben, und bei seinem Instrumental „Watch This“ mit Dave Grohl und Duff McKagan kommt nicht einmal das so sehr heraus. Man merkt zu sehr, dass jeder einzelne Song verschiedene Co-Writer hat. Natürlich trägt das dazu bei, dass die einzelnen Lieder mit ihrem jeweiligen Vocalisten sehr harmonisch klingen, andererseits wünsche ich mir bei Alben gerne mehr Kohärenz, Stringenz und was mir sonst an Fremdworten noch so einfällt. Es ist toll, wieder etwas von Slash zu hören, aber als Gesamtwerk taugt sein Solodebüt nicht viel. Gerade Rockmusik wird viel zu sehr vom Gesang dominiert, er taugt meistens als erstes Erkennungsmerkmal einer Band. Eingehens hatte ich erwähnt, dass das Gitarrenspiel von Slash natürlich auch einen hohen Wiedererkennungswert aufweist, wenn aber so viele Songs mit unterschiedlichen Sängern aneinandergereiht werden, wirkt das ganze eher wie ein Sampler als ein Album.

Wenn mir nur einzelne Songs vorlägen, würde ich sicherlich eine sehr wohlwollende Bewertung hier abgeben. Unglücklicherweise geht es um ein Album, und für dieses Album kann ich nicht mehr als

68%

geben, auch wenn es einige echt starke Stellen enthält und allein mit Namen beeindrucken kann.

P.S.: Unbekannt, von der Kritik zerrissen, aber in meinen Augen trotzdem ziemlich gut: das Album „It’s 5 O’Clock Somewhere“ von der kurzlebigen Band „Slash’s Snakepit“. Noch besser: Velvet Revolver mit Duff McKagan und Matt Sorum.

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