Soulfly – Omen (2010)

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Was gibt es Schöneres als straighten Thrash-Metal, um sich in der entnervenden Klausurphase etwas abzulenken (und gegebenenfalls abzureagieren)?

Soulfly waren und sind immer eine meiner Lieblingsbands in diesem Genre gewesen, wegen (und nicht trotz) der manchmal recht simpel, wenn nicht primitiv (pun intended) anmutenden Songstrukturen und Riffs. Jetzt steht „Omen“ an.

so

Der Opener „Bloodbath And Beyond“ lässt mich Übles ahnen; die allzu einfachen Songs waren mir dann leider doch meistens – allzu einfach. Darüber kann man aber schnell hinwegsehen, wenn man „Rise Of The Fallen“ nach alter Soulfly-Manier abgehen hört. Zusammen mit Greg Puciato von The Dillinger Escape Plan hat Cavalera hier einen Track auf die Beine gestellt, der ganz eindeutig das Album eröffnen müsste. Auch „Great Depression“ geht genauso brutal nach vorne, wie man das von Soulfly hören will, zeigt aber auch etwas Melodie.

Wie immer befassen sich die Lyrics hauptsächlich mit Gewalt und Krieg und Tod, aber darum geht es bei Soulfly auch weniger. Wichtiger ist die rohe Kraft, die sich jeglichen Styler-Metalcore-Strömungen widersetzt – wobei der Anfang von „Lethal Injection“ auch von Parkway Drive oder so kommen könnte. Ist aber auch insgesamt bis auf das Ende ein ziemlich lahmer Song.

Was bei besagten Screamo-Core-Bands (oder wie auch immer die sich heutzutage nennen) nur wirkt wie eine stumpfe Aneinanderreihung von Riffs, die so simpel gestrickt sind, dass es wehtut, ist bei Soulfly ein Song. Natürlich sind auch deren Riffs nicht gerade Dream-Theater-Niveau, aber das Ganze wirkt irgendwie organisch, passt gut zusammen. Zusammen mit dem dunpfen Growlen von Max Cavalera braucht es hier nicht das ständige langweilige Bäumchen-wechsel-dich von melodischem Chorus, Blastbeat und Breakdown, um zum exzessiven Headbangen anzuregen. Ein Midtempo-Stampfer wie „Kingdom“ schafft das auch so.

Was ich an „Omen“ vermisse, sind die Ethno-Einschläge. Auf vielen Alben haben Bongos oder andere, für den Metal ziemlich außergewöhnliche Instrumente, einen erheblichen Reiz auf mich ausgeübt. Soulfly brauchen das nicht notwendigerweise, um sich von der Masse der anderen Bands abzuheben; andererseits waren Tracks wie zum Beispiel „Moses“ (auf „Prophecy“) eine nette Abwechslung zu den anderen Liedern, und haben auch innerhalb des Songs für Kurzweile gesorgt. Da mag „Off With Their Heads“ noch so sehr ballern, die etwas orientalisch anmutende Melodie am Ende ist eher eine verblassende Erinnerung.

„Vulture Culture“ verdient alleine aufgrund des coolen Namens eine lobende Erwähnung. Warum ist darauf noch niemand gekommen? Außerdem wird hier geblastet, was das Zeug hält, bevor ein fettes Midtempo-Riff die Köpfe zum Schütteln bringt. Hört sich an, wie wenn ein 50-jähriger Lokalzeitungsredakteur hilflos versucht, ein Metal-Album zu beschreiben? War Absicht. Song ist trotzdem geil und eines meiner Highlights auf „Omen“.

Was ich irgendwie vermisst hatte: Das Schlagwortgespitte, wieder zu finden auf „Mega-Doom“ (das eine tadelnde Erwähnung für den dämlichen Namen bekommt). „Kill and bleed and, kill and bleed and, kill and bleed and, welcome to Mega-Doom, enter the Mega-Doom, follow the Mega-Doom“. Well. Ich erwarte ja keine lyrischen Meisterleistungen im Thrash-Metal, aber hier hat man sich wohl etwas das lästige Textschreiben gespart. Wenigstens ist die verbleibende Energie ins Songwriting gegangen, denn trotz des Textes auf Siebtklässlerrebellenmetallerniveau ist „Mega-Doom“ ein ziemlich gutes Lied geworden.

Auf „Counter Sabotage“ blasen Soulfly noch einmal den Staub aus den Boxen, denn darauf folgt das obligatorische Instrumental. Mittlerweile sind wir bei Numero 7 angelangt.

Wow, ich bin alt.

Wenigstens bekomme ich hier noch meine Ethno-Klänge. Für die, die Soulfly nicht kennen und von den Songs oben eher abgeschreckt wurden sind: Ziehts euch rein. Ich muss allerdings sagen, dass mir die Gitarrensolostellen ein wenig zu sehr nach 80er-Jahre-Pop-Metal klingen. Stellt euch einen pomadierten, sonnenbebrillten Kerl vor, der mit offenem Hemd und offenem Cadillac Miami Beach entlangcruist. Als Musikuntermalung dazu wäre „Soulfly VII“ ziemlich gut geeignet. Also: Es gab schon bessere Instrumentals von Soulfly.

Trotz der wenigen erwähnten Schwachstellen findet der geneigte Soulfly-Fan auf „Omen“ fast alles, was das Herz begehrt. In altbekannter Weise wechseln sich Blastbeats mit donnernden, treibenden Riffs ab, und Cavalera gröhlt, dass einem das Herz aufgeht. Was ich hier ausdrücklich nicht kritisiere: Dass sich stilistisch nicht viel getan hat. Ich will nicht, dass sich Soulfly großartig verändern; ich will, dass sie konstant ihre Linie durchziehen. Experimentelle Sachen sind auch gut (worauf ich ja schon hingewiesen habe), aber Cavalera hat es nicht nötig, irgendeinem kurzlebigem Trend hinterherzulaufen.

Ach ja, ein Manko, dass mir noch einfällt: Irgendwie finde ich es total klasse, wie Cavalera auf Songs wie „Fuel The Hate“ auf portugiesisch die Breakdowns anzählt. Um, dois, tres, quatro, bäm. Schade.

Jedenfalls: Solide

80%

für „Omen“.

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Eine Antwort to “Soulfly – Omen (2010)”

  1. musicbutloud Says:

    Moin allerseits,

    Ich muss sagen das ich das Album an sich sehr gelungen finde, aber ist es nicht mit den vorherigen Alben zu vergleichen.
    Ich vermisse solche, doch recht Außergewöhnlich klingenden Lieder wie „Back to the primitiv“.
    Ich habe bisher nur ein Lied auf dem Album gefunden welches mir nicht zugesagt hat, dies war Jeffrey Dahmer.
    Aber alles in allem ein sehr gelungenes Album.
    Ich hoffe das da noch einiges mehr kommt.

    Liebe Grüße Rico

    Schaut mal vorbei: http://stadtmusiker.wordpress.com/

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