Matthew Stover – Luke Skywalker und die Schatten von Mindor

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Was passiert, wenn man Amateur-Literaturkritik mit der Verkörperung der Nerd-Kultur mischt?

Ich rezensiere „Star Wars – Luke Skywalker und die Schatten von Mindor“.

sw

Ich laufe also durch den Buchladen, auf der Suche nach irgendeiner leichten Kost für die stressige Zeit. Ich gehe am Sci-Fi-Regal vorbei. Aus dem Augenwinkel sehe ich den riesigen Star-Wars-Schriftzug und Luke Skywalker mit einem Lichtschwert vor einer Explosion.

Shit.

Ich lese den Klappentext. Ich weiß, dass es einen ganzen Haufen von Extended-Universe-Literatur gibt, mit irgendwelchen skurillen Nebencharakteren, die ab und zu mal Han oder Luke oder Leia treffen, damit auch der Einstieger ins EU einen Anhaltspunkt hat. Aber „Luke Skywalker und die Schatten von Mindor“? Es spielt praktisch sofort nach der Zerstörung des zweiten Todessterns. Es dreht sich um Han und Luke und Leia und Lando und Chewie. Wie könnte ich da widerstehen?

Soweit zur Rechtfertigung.

Ich konnte damals „Episode III“ absolut nicht erwarten. Deshalb hatte ich mir das Buch gekauft, das einige Monate vor dem Film erschien und von Matthew Stover geschrieben wurde. Und man muss neutral sagen: Der Mann kann schreiben. Dieses Urteil muss ich nun leider teilweise einschränken. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass Lucas einfach bessere Geschichten schreiben kann, aber „Die Schatten von Mindor“ ist wirklich schwer zu verstehen, selbst als Semi-Nerd.

Offensichtlich gab es einen unglaublich mächtigen Sith-Lord namens Shadowspawn, der sich einer noch dunkleren Lehre verschrieben hat als Palpatine und Vader. Weil aber der Imperator Vader vorzog, zog sich Shadowspawn an den Rand des Unviersums zurück, um von dort seine Geheimdiensttätigkeit für das Imperium auszuführen. Nach dem Tode Palpatines leitet er Angriffe gegen die Neue Republik, die dem Ganzen ziemlich hilflos ausgeliefert ist.

shsp

Die Schlacht von Mindor

Nun hat die Republik das Hauptquartier Shadowspans ausfindig gemacht und plant den Angriff. Und da fängt es an, abzufucken. Im Orbit des Planeten Mindor, dessen Nachbarplanet kürzlich explodierte, schwirren Asteroiden en masse, in denen Schwerkrafterzeugungsdingens platziert sind, so dass die republikanische Armee nicht in den Hyperraum springen kann, um zu fliehen. Oder so. Das Ganze ist natürlich irgendwie ein Hinterhalt. Dazu kommt die Versklavung von machtempfindlichen Gefangenen durch den Sith, der sie mit der Infusion von lebendigem Kristallmaterial gefügig machen will. Sein Ziel: Das selbe mit Luke Skywalker zu tun, seinen Geist ins ewige Dunke treiben, damit sein eigener Geist den von Luke übernehmen kann, weil Shadowspawns Körper kurz vor dem Tode steht. So will er sich in dem mächtigem, jungem Körper zum Imperator aufschwingen – denn wer würde Böses vom größten Helden der Neuen Republik erwarten?

Hört sich das wirr an? Ist es auch. Der Reiz, all die bekannten Charaktere wiederzusehen (oder zu -lesen), verliert sich rasch in der Anstrengung, dem Plot zu folgen. Zu viel an dieser Geschichte kommt mir wie eine Aneinanderreihung von dei ex machina vor; krasser noch, als das in den Filmen der Fall war. Alles wird irgendwie nur angedeutet, so etwa Leias Machtaffinität. Und dann lebende Kristallwesen? Und eine krude Raumschlacht, die sich von der ersten bis zur letzten Seite des Buches zieht und den Hintergrund für die Erforschung der feindlichen Raumstation auf dem Planeten bietet. Dann noch überflüssige Quasi-Rebellen, die ebenfalls Shadowspawn attackieren wollen, eine Atmosphäre mit zu viel Metallen, so dass Kommunikation gestört ist, eine Sonne, die kurz davor steht, sich zur Supernova aufzublähen und mit der Strahlung alles in dem Sonnensystem zu verbrennnen, Schwerkraft, die Planeten und Asteroiden und Raumschiffe auseinanderzureißen droht – es ist einfach der Wettrennen-um-die-Zeit-Overkill. Achja, und natürlich darf eine tiefenpsychologische Analyse von Luke Skywalkers induziertem Nihilismus nicht fehlen. Und Leias. Und ein verfickter fliegender Vulkan.

luke

"The force is strong with this flying volcano."

Ich muss es sagen: Ich liebe Star Wars. Auch das Extended Universe, weil es durch die strengen Kanonvorgaben von Lucas sehr kohärent ist. Aber manchmal wird es einfach übertrieben. Der Zwang, ständig neue Charaktere zu erfinden, und die dann auch noch in die ewige Vorgeschichte irgendwie einzupassen, lässt viele dieser Charaktere unglaubwürdig wirken. Und dann ist da noch das Ergehen in der Beschreibung von technischen Apparaten und Vorgängen. All die Namen, all die Funktionen – niemand, der sich nicht allergenaustens mit Star Wars auskennt, wird das ohne Frust oder Langeweile lesen oder verstehen können. Auch ich nicht.

Nun ja, ein Fazit. Ich muss mich vielleicht berichtigen: Stover kann schreiben. Nur ist das, was er schreibt, viel zu durcheinander für eine stringente, glaubwürdige Geschichte. Das kann daran liegen, dass er so vielen Vorgaben zu folgen hat, dass sich seine Phantasie nicht voll entfalten kann – denn auch die Schlacht um Mindor existierte ja bereits als Anekdote in anderen Werken, musste nur noch ausformuliert werden, ohne Widersprüche entstehen zu lassen.

Vielleicht werde ich mir ein komplettes Eigenwerk von Stover mal besorgen. Bis dahin muss ich bei aller Liebe zu Star Wars leider

58%

für „Luke Skywalker und die Schatten von Mindor“ vergeben.

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