Inception: Die finale Meinung

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Die Erwartungen waren hoch. Der Druck auf den Verantwortlichen ebenso. Und je länger wir warten mussten, umso mehr stieg die Vorfreude. Aber jetzt ist es endlich soweit:

Ich schreibe etwas zu Inception :D

Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, warum meine Kollegen so auf meinen Artikel warten. Ich finde das, was die beiden geschrieben haben, wunderbar einleuchtend. Nachdem ich aus dem Kino raus war, wäre es mir sogar am liebsten gewesen, nichts über Inception schreiben zu müssen. Jedenfalls nicht ohne ihn ein zweites mal gesehen zu haben. Und das beschreibt den Film meiner Meinung auch recht gut. Mein erstes Gefühl, als der Abspann einsetzte: Und jetzt nochmal von vorne! Mein Gefühl inzwischen? Genau das gleiche. Trotzdem will ich mal versuchen, meine Gedanken etwas zu ordnen.

Joseph Gordon Lewitt in Inception

Ich ging mit riesigen Erwartungen in den Film. Dank dem Internet und der Filmbloglandschaft ließ sich die Entwicklung des neuen Nolan-Films schon seit seiner ersten Ankündigung verfolgen (und das war kurz nach Dark Knight). Allerdings war dies im Fall von Inception wenig ergiebig. Warner bemühte sich zwar einerseits um eine unvergleichlich moderne Promo-Kampagne (inklusive Viral-Websites, Internetcomics usw.), andererseits blieb Inception ungewöhnlich lange sehr undurchschaubar. Wenig Bildmaterial und noch weniger Informationen zur Story im Vorfeld. Erst kurz vor Kinostart erfuhr man zumindest, dass es irgendwie um Leute geht, die Informationen aus Träumen  extrahieren. Und mit viel mehr Vorwissen ging ich dann auch nicht ins Kino. Warum waren meine Erwartungen trotzdem so groß?

Eigentlich ganz klar: Christopher Nolan. Meiner Meinung nach einer der talentiertesten Filmemacher im aktuellen Hollywoodbetrieb. Natürlich inzwischen lange kein Geheimtipp mehr (dank Dark Knight), aber trotzdem steht er eben gerade nicht für den aalglatten, ideenlosen Mainstream (dank Memento). Und dabei geht es mir nicht nur um seine  Arbeit als Regisseur (klar inszeniert er genial), besonders bemerkenswert ist doch, dass er fast alle seiner Filme auch selbst schreibt. Und eben die Story (besser die Dramaturgie) ist es, was seine Filme so außergewöhnlich macht. Das trifft zum Glück auch auf Inception zu.

Die Frage war nur, welche Auswirkungen der immense finanzielle Erfolg von Dark Knight auf den Filmemacher Nolan haben wird. Die wirtschaftliche Konsequenz: Er bekam einen Haufen Kohle von den Produzenten in der Hintern geblasen. Mindestens genauso wichtig ist allerdings, dass er zusammen mit dem Geld auch weitgehend kreative Freiheiten bekam. Leider eine große Seltenheit im heutigen Hollywoodbetrieb. Diese Kombination erweist sich als geradezu perfekte Situation für Nolan.

Christopher Nolan

So hat Inception alles, was seine Filme bisher auszeichnete: Die geniale Grundidee von Memento, die interessanten Charaktere von Prestige und die gewaltige Optik von Dark Knight. Nolan schöpft das dreistellige Millionenbudget voll aus. Er haut sozusagen richtig auf die Kacke. Wir haben ein Actionfeuerwerk vom Feinsten (vor allem gegen Ende). Wir haben Effekte, die einem den Mund offen stehen lassen (wie genial sind die Szenen mit der Schwerelosigkeit bzw. mit den wechselnden Schwerepunkten eigentlich?!). Wir haben einen altertümlichen Zug, der eine Straße aufreißt. Wir haben Super-Slow-Motions. Also alles was das Mainstreamherz begehrt. Zwar sieht man diesen Szenen immer wieder an, dass Nolan sie eben hauptsächlich konzipiert hat, um visuell zu beeindrucken, trotzdem schafft er es sie durch die Story so zu begründen, dass wir uns nicht darüber wundern müssen, sondern sie einfach genießen können. Vielleicht ist es genau das, was Inception von anderen platten Actionspektakeln abhebt.

Daneben haben wir aber auch die Nolan-typischen Merkmale, die nur selten einen Sommerblockbuster auszeichnen: Eine Idee, die wirklich neu und unverbraucht ist und dabei konsequent den gesamt Film lang durchgehalten wird. So gelingt es, dass wir bereitwillig unsere Köpfchen anstrengen und der, nicht gerade einfachen, Erzählung über 2 1/2 Stunden aufmerksam folgen (auch wenn man eigentlich todmüde ist, wie ich es war). So verwebt sich alles ineinander. Die großartige Grundidee rechtfertig alle noch so dick aufgetragenen Action- und Effektspielerein, während eben diese die anspruchsvolle Erzählung immer wieder auflockern und uns bei Laune halten. So zeigt Nolan gleichzeitig den Hollywoodregisseuren und den Indie-Filmemachern, wie es richtig geht.

Effekt-Spektakel Inception

Aber auch wenn es bisher so klang, perfekt ist Inception natürlich nicht. Darum möchte ich auch kurz meine (kleinen) Kritikpunkte erwähnt haben. Inception ist wie schon gesagt in erster Linie ein Actionfilm, der auf einer genialen Grundidee beruht und diese bis zum Ende hin ständig so gut wie möglich ausschöpft. Die eigentliche Geschichte und die Charakter sind dieser Idee untergeordnet. Dementsprechend bleiben sie auch durchweg etwas blass. Die Hintergrundgeschichte der Hauptperson Cobb (Leonardo DiCaprio)  ist zwar durchaus dramatisch, dient aber ganz offensichtlich nur dazu, sein Handeln zu motivieren und damit das Geschehen voranzutreiben. Diese dramaturgische Funktion erscheint doch etwas offensichtlich. Zum Glück haben wir hier DiCaprio, der durch sein großartiges Spiel das Ganze doch recht erfolgreich rettet. Wieder einmal untermauert er seine Rolle als einer der aktuell besten Darsteller. Die Nebencharaktere werden erst gar nicht weiter ausgearbeitet. Hier bleibt jeder einzelne doch sehr oberflächlich und hat einfach seine Rolle zu erfüllen. Das ist besonders schade, da auch hier großes schauspielerisches Potenzial versammelt ist. Ansonsten fällt mir als Kritikpunkt nur noch der etwas schleppende Anfang ein. Grundsätzlich ist es ja wunderbar, wenn wir als Zuschauer direkt in das Geschehen hinein geworfen werden. Mir hat dieser offene Beginn dann allerdings doch etwas zu lange gedauert. Bis ich wirklich das Gefühle hatte, einen Überblick zu haben und wenigstens ein wenig zu begreifen, erschien mir alles ein wenig schwerfällig. Aber das ändert sich dann glücklicherweise doch sehr. Ähnlichkeiten zu Matrix oder Shutter Island (ja, das habe ich schon gehört), kann ich beim besten Willen nicht als Kritik akzeptieren. Das wäre meiner Meinung nach eine viel zu oberflächliche Betrachtung dieses sehr komplexen Filmes.

Am Ende meines Texte will ich noch das Ende des Filmes besonders positiv hervorheben. Zwar sind offene Enden wirklich nichts Innovatives mehr, in diesem Fall fand ich es aber dann doch sehr gelungen. Den Zuschauer bis in die letzte Sekunde in dem Glauben zu lassen, wir hätte ein klares Ende, nur um es dann in der letzen Szenen doch noch komplett aus den Angeln zu heben, finde ich großartig. Einige der Zuschauer konnten sich da ein gequältes Stöhnen nicht verkneifen.

Bleibt also nur noch die Frage nach meiner Bewertung. Inception ist kein perfektes Meisterwerk, aber sicher einer der besten Filme in diesem bisherigen Kinojahr. Die wenigen Schwächen werden von seinen Stärken größtenteils aufgewogen. Was ihn aber am meisten auszeichnet, ist die Tatsache, dass er wirklich ein Film für jeden Kinogänger ist. Sowohl der vom Mainstream verwöhnte Actionliebhaber als auch der anspruchsvolle Filmkenner kann hier etwas für sich finden. Dementsprechend kann ich Inception auch guten Gewissens jedem empfehlen.

Das bedeutet insgesamt:

8 1/2 von 10 Punkten

PS: Hier noch eine großartige Infografik zum Film.^^

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5 Antworten to “Inception: Die finale Meinung”

  1. Gast Says:

    Das in die Geschichte Hineingeworfen-Werden ist im Hinblick auf die Traum-Thematik und das besagte offene Ende äußerst sinnvoll und auf jeden Fall — und vielleicht sogar mit Inkaufnahme der Verwirrung/Schwierigkeiten, die das Publikum oder Einzelne haben könnten — gewollt. Nicht umsonst heißt es im Pariser Café sinngemäß: Träume haben keine Einleitung, man befindet sich vielmehr einfach mitten im Geschehen, ohne dies zu hinterfragen.
    (Das nur mal als Kritik an der Kritik.)

  2. Joe Says:

    Jo, da hast du ja auch vollkommen recht. Mir ging es eigentlich auch nur darum, dass mir dieser Zustand zu lange andauerte. Aber vielleicht bin ich auch wirklich einfach etwas zu müde ins Kino gegangen.
    Wie gesagt, ein zweites mal Sehen habe ich dringend nötig! ;)

  3. Olsen Says:

    Als kleinen Kritikpunkt möchte ich noch die Actionsequenz in den Bergen anführen. Mir war das einfach zu 70er-Bond, abgesehen davon, dass teilweise gar nicht mehr klar war, wer auf wen schießt. Überhaupt, so gut ich Nolan auch finde (wenn er nicht gerade Batman-Filme dreht), ein richtig guter Actionregisseur wird er in diesem Leben nicht mehr.

    Ich hoffe, er verfällt jetzt nicht in völligen Gigantismus und dreht als nächstes (nach der unvermeidlichen Batman-Fortsetzung) mal wieder etwas Kleineres.

  4. Die Golden Globes 2011 – Kurz kommentiert « Klapperstrauß – Platten, Filme, Games und Bücher. Popkultur. Says:

    […] Klappersträußen ausgezeichnet. Trotzdem liegt bei mir „Inception“ eindeutig noch ein Stück davor. Naja, […]

  5. Die 83sten Academy Awards (Oscars) – Die Nominierten « Klapperstrauß – Platten, Filme, Games und Bücher. Popkultur. Says:

    […] „Inception„: Kleine Überraschung, dass Chrisopher Nolan nicht für die beste Regie nominiert wurde. […]

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