Twilight – Eclipse

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Wäre es nicht schön, wenn man ein hübsches, intelligentes, aber hip unangepasstes Mädchen wäre, in das zwei ebenso attraktive wie gefährliche Sagengestalten unsterblich verliebt wären?

Wovon manche Mädchen träumen, verarbeitet die gute Frau Meyer zu einem Buch. Oder mehreren, vielmehr. Die wiederum wurden und werden zu Filmen verarbeitet. Und der Hype ist vorprogrammiert.

Diesen Sommer kam der dritte „Twilight“-Film „Eclipse“ in die Kinos. Und trotz der Tatsache, dass ich wohl ganz leicht aus der Zielgruppe herausfalle, habe ich ihn mir angesehen – allein und komplett im Interesse der Wissenschaft, versteht sich, und um euch einen Insiderbericht zu liefern.

Denn wer traut sich schon, zuzugeben, diesen Film gesehen zu haben?

Ich will hier auf das in „intellektuellen“ Kreisen übliche Twilight-Bashing weitestgehend verzichten. Ich will versuchen, diesen Film ganz objektiv zu erfassen und zu bewerten, auch wenn das angesichts der Lawine an Klischees, die einen beim Schauen überrollt, nicht immer leicht fällt. Aber für die, die keine Ahnung von der Story haben, eine kleine Vorwarnung:

„Stephenie Meyer can’t write worth a darn. She’s not very good.“

Stephen King

Zum Plot. In den ersten beiden Teilen wurde die unsterbliche Liebe von Bella und Edward etabliert. Er, der blasse, im Sonnenlicht verbrennende glitzernde Vampir, sie, die etwas ungeschickte, aber hübsche Achtzehnjährige. Da ihr mit Achtzehn klar ist, dass sie im Leben nichts anderes will als ihren kalten, hundertjährigen Freund, will auch sie sterben. Also zum Vampir werden. Das gefällt Edward nicht so sehr, denn das echte Leben ist schöner und echter und weiterer abgedroschener Quatsch.

Dann gibt es da Edwards Familie, überflüssige Nebencharaktere in Form von Mitschülern, die Bella trotz ihrer ständigen Abweisung als Freundin ansehen und, oh, Werwölfe. Werwölfe, die rein zufällig auf ewig verfeindet mit den Vampiren sind. Überraschenderweise ist aber Bellas Kindheitsfreund, der muskulöse und gutaussehende und muskulöse und indianische Jacob, der so arm ist, dass er sich nicht mal Shirts leisten kann, auch ein Werwolf. Und oh, auch er liebt Bella. Und sie liebt ihn auch irgendwie, aber Edward mehr, und überhaupt.

„Doesn’t he own a shirt?“

– Edward, der glitzernde Vampir, über halbnackte Männer

Das ist dann die Situation. Und es gibt Vampire, die Bella töten wollen, aus unerfindlichen Gründen. Vielleicht weil Edward den Freund ihrer Anführerin getötet hat.

Nicht im Geringsten homoerotisch.

„Eclipse“ startet nun mit dem Heiratsantrag von Edward, was seine Bedingung ist, dass er sie „verwandelt“, also zum Vampir macht. Wegen irgendeiner Ausrede hängt sie aber jetzt wieder öfter mit Jacob rum, der dann auch erfährt, dass sie nach dem Schulabschluss untot werden soll. Findet er offensichtlich nicht so gut. Wegen seiner Liebe und ihrer Bindung zu den Vampiren dann, die unterschwellig rassistisch ja die Todfeinde der Werwölfe sind.

Aber: sowohl Vampire als auch Werwölfe müssen die arme, hilflose Bella beschützen, denn eine mysteriöse Mordserie in Seattle deutet daraufhin, dass Victoria (die Vampirin, deren Freund getötet wurde und deshalb nun Bella töten will) sich eine Armee von „wiedergeborenen“ Vampiren (ein Konzept, das vollkommmen aus der Luft gegriffen ist und vorher nie erwähnt wurde) kreiert, um damit Edwards Familie und Bella anzugreifen.

So, so.

Dann passiert erst mal eine lange Weile nichts, außer dass Bella abwechselnd mit Edward und Jacob abhängt und beide ihr ständig versichern, wie sehr sie sie lieben und ihr Armbänder schenken und so.

Praktischerweise hat Edwards Schwester nützliche Visionen, so dass die Cullens eigentlich immer wissen, was passieren wird. Nach dem Schulabschluss sieht sie, dass die neugeborenen Vampire angreifen. Der perfekte Anlass, sich Werwölfe und Vampire verbünden zu lassen (alle lieben Bella, remember?), um so eine Konfrontation zwischen Edward und Jacob zu erzwingen.

Allein: Edward und Jacob lieben Bella so sehr, dass sie sie beschützen wollen, also nicht kämpfen, sondern sie in den Bergen zu verstecken. Damit Jacob Bella halbnackt durch die Gegend tragen kann, gibt es noch irgendwas mit Gerüchen und Vampire können Bella nicht riechen, wenn sie sich an einen besixpackten Indianer presst.

Man muss erstmal einen Grund für sowas finden

Die wohl symptomatischste Szene für den ideologischen Hintergrund, der hinter der Buchreihe steht, folgt. Die schwache, menschliche Bella will doch tatsächlich Sex mit ihrem perfekten Vampirlover. Der kann und will nicht, denn: Die Leidenschaft würde ihn verzehren, er würde ausrasten, sie beißen. Und: er will ihre Tugend und Ehre nicht verletzen. Aus dem Mormonischen übersetzt: Sex vor der Ehe ist des Teufels. Auch wenn dämonische Vampire die gleiche Einstellung haben. Auch die Tatsache, dass die Achtzehnjährige ihrem Vater so offen ins Gesicht sagt, dass sie Jungfrau ist, und er „Edward nun etwas mehr mag“, könnte dezent auf den Hintergrund der Autorin hinweisen.

„Bella, would you please stop trying to take your clothes off?“

– Ein gesunder hundertjäriger Teenager

Damit ist die erste von zwei Stunden des Films vergangen. Die andere Hälfte ist letztlich schnell erzählt: Der Kampf naht. Vampire und Werwölfe warten auf einer Lichtung im Wald; Bella, Edward und Jacob zelten im Schneesturm auf einem Berg. Und als ob es noch nicht genug Ausreden dafür gegeben hätte: Bella ist fürchterlich kalt, aber Ed, der Vampir, kann sie nicht wärmen. Also kriecht Jacob (der im verfickten Schneesturm kein Hemd anhat) zu ihr in den Schlafsack.

„Well, I am hotter than you.“

– Jacob zu Ed, im vollen Bewusstsein, worauf der Film abzielt

Der Kampf fängt an (und oh Wunder, Vampire und Werwölfe zerreißen die Feinde in der Luft ohne einen einzigen Verlust – dafür haben sie sich wochenlang vorbereitet); Edward lässt Jacob wissen, dass er Bella heiraten wird, woraufhin er sich in den Kampf stürzen will, Bella hält ihn auf, indem sie ihn küsst, er geht trotzdem und ist der einzige verschissene Kämpfer auf der „guten“ Seite, der verletzt wird. Achja, Victoria wird auch besiegt.

Ich hoffe, mein Kursivschreiben macht klar, dass es spätestens da abstrus wurde.

Wie es hätte ausgehen sollen

Dann kommen noch irgendwelche Obervampire, die nicht so auf den Waffenstillstand mit den Werwölfen stehen.

Das wars, basically.

Das bleibt hängen:

Der einzige Inhalt des Films

Wie schon in den ersten Teilen kann man kaum einen guten Film aus einer Vorlage machen, die nicht gut ist. Ich sage das in aller Neutralität und Objektivität: Der Plot ist mit keinem anderen Wort als „löchrig“ adäquat zu beschreiben. Es werden ständig neue Umstände eingeführt, die dann rein funktionell zu neuen Situationen führen, die die Geschichte vorantreiben sollen. Beispiel ist das Konzept der „Neugeborenen Vampire“, von denen man erfährt, dass sie wegen ihrer Unkontrolliertheit stärker sind als Vampire, die sich mit ihrem neuen Wesen bereits zurechtgefunden haben. Aber man sollte doch meinen, dass, wenn in drei Filmen über nichts anderes geredet wird, als dass Bella auch Vampir werden will, dieses Problem mal erwähnt wurde?

Weiterhin sind die Charaktere flach. Sehr flach sogar. Der Haufen an Cullen-Geschwistern ist für mich vollkommen unidentifizierbar; selbst die drei Hauptcharaktere bleiben inkonsistent, unglaubwürdig und platt. Man merkt Bella sehr an, dass sie als perfekter Mary-Sue-Charakter konzipiert wurde, deren Fehler (wie die Tolpatschigkeit etwa) nur eingebaut wurden, um sie etwas menschlicher dastehen zu lassen. Was aber nicht funktioniert. Alle lieben sie, alle sind bereit, ihr Leben für sie zu opfern – selbst in einem Universum der Sagengestalten bleibt das zu einfach. Weiterhin ist das auch ein Problem: Stephenie Meyer wurde bereits Sexismus unterstellt, gerade weil Bella so hilflos und hübsch ist, die Prinzessin, die gerettet werden will, die sich in einen Mann verliebt, der sie töten will. Und das ist einem beim Schauen dieses Films geradezu schmerzhaft bewusst.

Die schauspielerische Leistung mag solide sein. In dem Zusammenhang heißt solide aber auch nur „der Vorlage entsprechend“, i.e. eindimensional. Kristen Stewart schafft es, drei zweistündige Filme mit einem einzigen Gesichtsausdruck zu bewältigen, egal, ob sie sich freut, sich aufregt oder sich fürchtet (was am häufigsten vorkommt).

"Ja, ich will deine Frau werden! Oh, ich freue mich so!"

Auch die Kämpfe und Konflikte mit anderen Vampirgruppen sind nur fadenscheiniger Vorwand und Hintergrund für die eigentliche Hauptstory, nämlich die Liebesgeschichte um die drei Hauptcharaktere. Da diese Bedrohungen aber wirklich, wirklich ungeschickt in die Story eingeflochten werden, erscheint die Dreiecksbeziehung umso unglaubwürdiger und platter. Wenn man es wirklich darauf angelegt hätte, könnte man die Beziehungsgeschichte auch ohne Vampirarmeen und Rachephantasien begründen –  dann läge der Vergleich zu Heile-Welt-Berglandschaft-Groschenromanen aber noch näher. Es passiert einfach nichts. Es ist von vornherein klar, dass Bella Edward wählen wird (weil sie das seit drei Filmen nicht müde wird zu wiederholen), es ist klar, dass die Cullens die Kämpfe gewinnen und Bella für immer beschützen werden, und es ist klar, dass Jacob nur Vorlage für feuchte Träume pubertärer Mädchen ist.

Es gibt einfach keinerlei logische Begründung, warum er nie ein Shirt anhat.

Oh, und wir haben endlich verstanden, dass Volvo die vehicles of choice für gebildete vegetarische Vampire sind.

Mein Fazit: Als Teenager stand ich auf Wolfgang-Hohlbein-Romane. Dann wurde mir klar, wie einfach strukturiert und ewig redundant seine Fantasy ist. Deshalb habe ich aufgehört, Hohlbein zu lesen. Ich kann also der angepeilten Zielgruppe der Twilight-„Saga“ (ha) nicht vorwerfen, dass sie die mangelhafte Umsetzung des abgedroschenen Stoffs gut findet. Auch wenn Hohlbein im Vergleich um Welten besser war. „Twilight – Eclipse“ ist ein langweiliger, vorhersehbarer Film, dessen Message bedenklich und dessen Story holprig und unglaubwürdig ist – und das sage ich ohne Voreingenommenheit.

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Eine Antwort to “Twilight – Eclipse”

  1. basichamp Says:

    Du hast auf den Punkt gebracht, was die meisten mehr oder weniger intelligeten /gebildeten… (ach was weiß ich) Leute denken.
    Ich habe die Bücher nie gelesen, mir den ersten Film aus reiner Neugierde angeschaut und zum zweiten wurde ich gezwungen.

    Im Prinzip trifft der Wolfgang Hohlbein Vergleich den Nagel auf den Kopf, wer hat nicht als 12 jähriger seine Bücher verschlungen? Bis man sich irgendwann gefragt hat was man hier eigentlich ließt.

    Ich denke für die jüngeren Mädels ist der Film sooo toll, für die älteren erotisch und für den Rest der Menschheit unverständlich.

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