Test: Red Dead Redemption (Xbox 360)

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Die Mittagshitze brennt und um euch herum flackert die Luft. Nein, das hier ist nicht die Hölle, doch es kommt dem schon ziemlich nahe. Um euch herum liegen ein paar Leichen – Leichen von Banditen, die eine Kutsche angegriffen haben. Als ehemaliger Schwerverbrecher und gegenwärtiger Revolverheld namens John Marston konntet ihr an dieser Ungerechtigkeit natürlich nicht kommentarlos vorbeireiten, also gabs für jeden bösen Buden eine Kugel zwischen die Augen und vom Kutscher ein paar Rettungs-Dollar und aufrichtige Anerkennung. Nachdem ihr die Leichen geplündert habt und euch wieder auf euer treues Ross geschwungen habt, stellt euch ein Fauchen die Nackenhaare in die Vertikale und ihr findet euch im nächsten Moment auf dem staubigen Sandboden wieder. Ursache ist ein jagender Puma, der mit einem Prankenhieb bereits euren Gaul über den Rio Bravo geschickt hat. Doch als wenn es nicht schlimm genug wär, allein zu Fuß mitten in der Prärie zu stehen, greift euch die Raubkatze auch noch an. In letzer Sekunde könnt ihr dem Biest noch mit der Schrotflinte beikommen und häutet es anschließend, um das Fell zu verkaufen und den Nachmittag doch noch halbwegs ins Gute zu verkehren. Willkommen im Wilden Westen.

So oder so ähnlich dürft ihr euch das Spielgeschehen in Red Dead Redemption vorstellen, wenn ihr eigentlich gerade keine spielrelevante Mission machen wollt. Es ist eigentlich immer irgendwas los im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, und wer nicht auf der Hut ist, wird selbst zum Gejagten. Aber erstmal zu Grundlegenderem. Ihr werdet als eine Art Kopfgeldjäger von der Regierung losgeschickt, um zuerst einen, später dann mehrere Kriminelle zu fassen. Um an diese heranzukommen sammelt ihr hier und da Hinweise zum Aufenthaltsort oder gewinnt „Zwecksfreunde“, die euch weiterhelfen; immer schön nach dem Prinzip eine Hand wäscht die andere. …Wobei eure Hände dabei lange nicht so häufig gewaschen werden, denn in diesem Land zählt nur das Gesetz des Stärkeren und EGOISMUS wird definitiv größer geschrieben als hilfsbereitschaft.

So schlagt ihr euch also durch und habt alle Möglichkeiten der Welt, wie ihr eure Storyline gestaltet. Denn wenn RDR eines nicht ist, dann ist das linear. Ihr könnt jederzeit frei entscheiden, ob ihr eine von mindestens zwei parallel laufenden Hauptsträngen spielt, Nebenquests absolviert, die für den weiteren Verlauf irrelevant sind, oder einfach nur eine gepflegte Runde im Saloon pokert. Ihr könnt völlig in dieser riesigen Welt abtauchen und euch austoben. Um mal eine Größenvorstellung zu geben: vom westlichsten bis zum östlichsten Punkt der Landkarte braucht ihr selbst mit einem schnellen Pferd vermutlich etwa zehn Minuten. Die nördliche Hälfte der Karte ist hierbei die USA, im Süden habt ihr Sachen in Mexiko zu erledigen. Außer den Namen ist die Landschaft aber komplett fiktiv – und das ist auch gut so, denn so kriegt ihr alles was ihr euch in Nord- und Mittelamerika wünschen würdet, kompakt und schön serviert. Hierbei greift Rockstar wirklich alle Klischees auf, die euch in den Sinn kommen würden, wenn ihr jetzt an Cowboys denkt. Das finde ich einfach nur genial; man bekommt den perfekten Western auf einer DVD.

Rockstar? Jo, richtig gelesen. RDR stammt von den GTA-Machern und ist dem vierten Teil der populären Serie in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich. Am einfachsten könnte man das Spiel als ein Grand Theft Auto im Wilden Westen beschreiben. Die Dialoge sind Rockstar-typisch extrem cool, die Steuerung kommt der des „älteren Bruders“ sehr nahe und auch von der Spielbarkeit lassen sich viele Gemeinsamkeiten feststellen. In vielen Missionen schießt ihr euch durch Horden von Gegnern, doch auch das Farmleben kommt nicht zu kurz – besonders Kuhherden treiben… leider! Ein Kritikpunkt, den ich immer wieder gehört habe, sei die einsetzende Eintönigkeit und dass sich Aufgaben oft ähneln oder wiederholen. Verstehen kann ich diese Aussagen zwar, denn viele Missionen sind vom Prinzip her tatsächlich recht ähnlich, allerdings hat mich das nicht wirklich gestört (bis auf die Kühe natürlich). Technisch kann ich ebenfalls nur loben, denn die Grafik ist wohl das Schönste, was ich je auf einer Konsole bewundern durfte. Auch der teils recht simple Soundtrack untermalt hervorragend die Stimmung; die englische Sprachausgabe ist ebenfalls vom Feinsten. Ein richtiges Schmankerl ist zu guter Letzt noch das Ende des Spiels, von dem ich hier aber nichts verraten / spoilern will.

Was bleibt nun festhaltend zu sagen? Red Dead Redemption ist ein grandioses Spiel, das ich jedem empfehlen kann. Auch – oder vielleicht gerade – den Spielern, die mit GTA nicht allzu viel anfangen konnten (wie ich zum Beispiel). Alle Leute, die an diesem Spiel etwas auszusetzen haben, suchen meiner Meinung nach das Haar im Chili con Carne. Das Teil ist für mich einfach eines der besten Spiele, die ich bisher auf der Xbox gespielt habe und hat ein innovatives, unverbrauchtes und vor allem stimmungsvolles Setting, das einen guten Eindruck der harten Sitten Ende des 19. Jahrhunderts vermittelt. Also greift zum Revolver und dann zockt das Spiel.

94 %

(Wer noch einen Trailer sehen möchte, kann mal im Beitrag „6 Absolute Software-Perlen für die Xbox 360“ nachschauen.)

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