Linkin Park – A Thousand Suns (2010)

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Nachdem sich Linkin Park mit dem letzten Album „Minutes To Midnight“ vor drei Jahren bereits einem relativ schwerwiegenden Genre-Facelift unterzogen hat, gibt’s für die Band um Chester Bennington und Mike Shinoda diesmal erneut einen Richtungswechsel. Seit ein paar Wochen ist „A Thousand Suns“ nun erhältlich – genug Zeit für mich, die Scheibe ein paar Male durchgehört zu haben und jetzt meinen Klappersenf dazuzugeben.

Dumm aus der Wäsche guckte ich schon beim Track Nummer zwei, als ich feststellte, dass dies das erste mir bekannte Album mit zwei Intros ist. An Position drei kam dann endlich das erste „richtige“ Lied. Und zwar ein ziemlich poppiges namens „Burning In The Skies“. So wird gleich zu Beginn deutlich, wo Linkin Park mit dem neuen Album hinwill, nämlich mal wieder in eine neue Richtung. Und nochwas wird schnell deutlich: A Thousand Suns ist nur mit Geduld zu genießen, absolut nichts für den Quicky zwischendurch. Legt euch unter ein schräges Dachfenster, wartet bis es anfängt leise zu regnen und lasst euch von der besonderen Stimmung dieser CD tragen. Aber wie kommt es überhaupt zu selbiger und was ist A Thousand Suns eigentlich für ein Album?

Es ist ein 16-Song-Paket, das aber deutlich weniger bietet, als es diese hohe Zahl vermuten lässt. De facto erwarten euch nämlich nur neun wirklich als solche zu erkennende Lieder, der Rest definiert sich aus kurzen Interludes, die zwar beim angesprochenen Dachfensterprasseln gut die Atmosphäre rüberbringen und stimmig überleiten aber irgendwie auch einfach keinen anderen Nutzen mitbringen. Außerdem sind es definitiv zu viele; ein paar mehr richtige Songs hätten sicherlich nicht geschadet. Nimmt man sich aber nun die vollwertigen Vertreter zur Brust, so kann man Linkin Park eigentlich nur gratulieren. Es ist zwar zu Beginn nicht so einfach, überhaupt erstmal Fuß zu fassen, wie etwa bei einem Song von Lady Gaga, doch sobald man dies geschafft hat, sind die meisten Lieder auf ihre Art gut. Neben der ersten Auskopplung „The Catalyst“ sind besonders „When They Come For Me“ und „Blackout“ zu empfehlen. Erstgenanntes erfrischt duch mitreißende Trommelrhythmen, während Shouter Bennington in „Blackout“ unheimlich glaubhaft und stilvoll zu einem recht poppigen Beat krächzt – einfach cool. Es wird generell viel Neues ausprobiert; zahlreiche Ideen hat man so von Linkin Park schlichtweg noch nicht gehört. Und vielleicht trifft am ehesten der Begriff Experiment zu, um der neuen Scheibe ein Gesicht zu geben. Kritisieren möchte ich noch die Instrumentenarmut. Denn auch beim mehrmaligen Hören bleiben echte Instrumente wie Gitarren oder gar Schlagzeug zumeist Fehlanzeige. Ab und zu klimpert mal ein Klavier und der letzte Song „The Messenger“ stützt sich fast ausschließlich auf eine Akustikgitarre. Ansonsten ist aber fast alles mit dem Computer erzeugt. Ich bin gespannt, wie LP dieses Album ordentlich live präsentieren will, ohne dass man die angestammten Fans enttäuscht.

Ob ich A Thousand Suns jedem Linkin Park-Fan empfehlen kann, weiß ich nicht. Es ist sehr speziell und hat mit der hybriden Theorie um die Jahrtausendwende nicht mehr viel zu tun. Da ich persönlich mich aber bereits beim Lauschen von „Minutes To Midnight“ vor drei Jahren unter Tränen verabschiedet habe vom Wunsch nach einem neuen „Meteora“, bin ich mit der aktuellen Platte eigentlich ganz zufrieden. Es ist halt definitiv mal was anderes, was ich normalerweise sehr begrüße. Von daher empfehle ich, ruhig mal reinzuhören, aber bloß keine Wiedergeburt der alten Stärken zu erwarten. A Thousand Suns ist anders und daran werden sich viele Geister scheiden.

7 von 10 goldenen Klappersträußen

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