Get Him To The Greek (Männertrip)

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Nachdem ich (für mich selbst überraschend) damals von „Forgetting Sarah Marshall“ (mit dem unsäglich schlechten deutschen Titel „Nie wieder Sex mit der Ex“ – wow, es reimt sich) wirklich angetan war, kam am 2.9. das Spin-Off „Get Him To The Greek“ (mit dem unsäglich schlechten deutschen Titel „Männertrip“ – tun sich da Parallelen auf?) in die Kinos.

Ich kam, ich sah, ich rezensierte.

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Die Story ist recht schnell erzählt: Aaron Green (gespielt von Jonah Hill, bekannt als Seth aus „Superbad“) arbeitet für eine Plattenfirma, die verzweifelt nach neuen Ideen sucht, um Profit zu machen. Als großer „Infant Sorrow“-Fan ist sein Vorschlag, den legendären Auftritt von Aldous Snow (gespielt von Russell Brand, bekannt als, nun, Aldous Snow aus „Forgetting Sarah Marshall) zum zehnjährigen Jubiläum zu wiederholen.

Aldous Snow ist allerdings nach jahrelanger Abstinenz und froher Ehe geschieden und in Partylaune. Sein letztes Album ist gefloppt, seine Single „African Child“ das „schlimmste für Afrika seit AIDS“. Trotzdem feiern? Klar. Die illustren Drogenexzesse sind eindeutig inspiriert von den Schlagzeilen um Frau Winehouse (bekannt als „Amy Kokshaus“ aus „Bild“, und dafür, dass sie mal nett gesungen hat), seine Posen von Freddy Mercury.

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Aarons Chef Sergio (gespielt von Sean Puff Diddy P. Combs, bekannt als Rapper) lässt sich letztlich von Aarons Idee überzeugen und beauftragt ihn, Aldous Snow aus London abzuholen und zum Greek Theatre nach Los Angeles zu bringen, wo er seinen hoffentlich grandiosen und grandios profitablen Comeback-Gig spielen soll.

Zunächst ist Aaron begeistert von der Idee, Zeit mit seinem Idol verbringen zu können. Schnell aber merkt er, wie abgehalfert der Junkie ist und wie leer das Rockstarleben. Nichtsdestotrotz kann er sich aus dem Strudel der Exzesse nicht befreien.

Was sich ernster anhört, als es im Film ist.

Nun geht es schrittweise, mit Pausen für Fernsehauftritte und Catch-Ups mit Verwandeten, Richtung Kalifornien.

„Get Him To The Greek“ bezieht viel seines Humors aus Situationskomik. Meistens bedeutet das, dass der hilflose Aaron versucht, mit dem verwöhnten, arroganten, drogenkranken Rockstar umzugehen, sich aber nicht seinem Lebensstil anpassen kann. Oder darin nicht geübt genug ist. Russell Brand spielt Aldous Snow aber derart genial, dass Jonah Hills Charakter schnell verblasst, wenn auch nicht untergeht. Die aufgesetzten Attitüden, die viele bekannte Gesichter aus dem Biz karikieren, werden sehr überzeugend rübergebracht. Dazu der britische Akzent – mehr braucht es nicht für einen glaubhaften, wenn auch einfach gestrickten Charakter. Natürlich muss es auch eine persönliche Entwicklung geben; Aaron und Aldous werden auf ihre Art Freunde, Aldous konfrontiert seine Probleme mit Exfrau und Vater und Sohn, Aaron verträgt sich wieder mit seiner Freundin nach einem eher missverständlichem Schlussmachen.

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Das ist aber letztlich alles nebensächlich. Unterhaltsam wird der Film durch die vielen bizarren Momente. So spielt P.Diddy  seinen Charakter mit viel Selbstironie, aber mit erstaunlichem Erfolg – man nimmt ihm den jähzornigen Plattenboss sofort ab, der Rockstar und Angestellten gleichermaßen unter Drogen setzt, um sicherzugehen, dass sie nach L.A. kommen – indem er sie schreiend verfolgt und auch nicht davon aufhalten lässt, dass er angefahren wird.

„You ever been mindfucked before?“

– Sergio

Allerdings – manche Szenen wirken allzu sehr auf primitiven Humor aus. Dass Aaron für Aldous Snow Heroin ins Flugzeug schmuggeln muss oder dass Aaron einen riesigen Dildo von einem betrunkenen Groupie eingeführt bekommt, ist für meinen Geschmack zu sehr Fäkalhumor, im wahrsten Sinne des Wortes. Auch die Szene, in der Aaron und seine Freundin wieder zusammenkommen (ich will nichts spoilern), ist bei aller Mühe vorhersehbar.

Unterhaltsam im Gegenzug ist, wenn alle auf „Jeremy“ (einem kruden Mix aller möglichen Rauschgifte) sind und sich nur durch das Reiben der Fellwand beruhigen können. Die Adrenalinspritze ordne ich einfach mal als Tarantino-Hommage ein, „Come On Eileen“ im Hintergrund als Trash-Humor.

„I’m having a heart attack!“

„You’re not having a heart attack. Stroke the furry wall. God, I wish everything was this simple.“

– Aldous beruhigt Aaron

Dass viele Stars ihr Gesicht zur Verfügung gestellt haben, um auf imaginären Klatschzeitungscovern mit Aldous Snow respektive seiner Exfrau Jackie Q als Affäre zu posten, verleiht dem Film Charme; genial ist in meinen Augen auch die Rolle von Lars Ulrich (der Lars Ulrich; die Rolle ist dieses bißchen mehr als ein Cameo) als Lover von Jackie. Mann, gerade Lars Ulrich.

Ein Fazit ist nur schwer zu ziehen. Der Film hat offensichtliche Schwächen wie die platten Charaktere und das dürftige Plot. Allerdings hat er auch Highlights wie Russell Brand, der in seiner Rolle als prätentiöser, aufgeblasener Rockstargockel voll aufzugehen scheint. Ich schließe mit der Aussage, dass es sich durchaus lohnt, „Get Him To The Greek“ anzuschauen; es ist kurzweilig und unterhaltsam. Tiefgang habe ich nicht erwartet, so konnten meine Erwartungen auch nicht enttäuscht werden. Trotzdem habe ich schon Filme gesehen, die gerade auf Tiefgang aus waren, letztlich aber weniger davon hatten als „GHTTG“.

„DSDS“. Das wollte ich schon immer mal so schreiben.

Also vergebe ich wohlwollende

74%.

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2 Antworten to “Get Him To The Greek (Männertrip)”

  1. basichamp Says:

    Hallo, hab den Film grade im Kino gesehen und bin geteilter Meinung:
    Erwartet habe ich einen ka.. platten, dafür lustigen Männerfilm bei dem ich wirklich nicht groß mein Hirn anschalten muss.

    Und ich bekam? Genau eine sehr tiefgreifende Charakterstudie mit einigen wenigen Gags :.-/

    Der Film ist nicht unbedingt schlecht, aber anhand des Trailers erwartet man einfach etwas völlig falsches.

  2. Kim Says:

    Naja, als „tiefgreifende Charakterstudie“ würde ich den Streifen beim besten Willen nicht bezeichnen. Dass er nicht ganz so platt wie etliche Konkurrenten ist, würde ich von daher eher als Vorteil sehen, denn mal ganz im Ernst: Man kann auch nicht über jeden Scheiß lachen.

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