Test: F1 2010 (Xbox 360)

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Die Formel 1 ist auf die Zielgerade eingebogen; die Saison neigt sich langsam aber sicher dem Ende. Noch zwei Rennen stehen an, bei denen unsere WM-Hoffnung Vettel nochmal Gas geben und hoffen kann.

[UPDATE: Er hat’s tatsächlich geschafft!!! :) Lasst euch vom Hype mitreißen und zockt das Spiel!]

Auf meiner Xbox stehen seine Chancen dagegen umso besser, denn da kann zum Beispiel kein Motor in die Luft fliegen… Ein Trost wird ihm das jedoch sicher nicht sein.

Ich habe mich in den letzten Wochen jedenfalls über die schnellsten Rennkurse dieser Welt jagen lassen und möchte euch nun davon berichten.

Den Einstieg ins Spiel habe ich mir schonmal anders vorgestellt: Anstatt sich für einen Fahrer zu entscheiden und mit ihm sofort auf die Piste zu gehen, musste ich mir erstmal ein ausführliches Profil erstellen: Name, Nationalität, Spitzname und so weiter. Denn das Herzstück des Spiels ist nicht einfach nur eine Saison mit einer bekannten Formel 1-Größe zu absolvieren, sondern eine mehrjährige Karriere mit niemand Geringerem als sich selbst zu beginnen. Da ich vorher nicht viel vom Spiel gehört hatte, war ich zu Beginn etwas skeptisch ob dieses Starts. Nach und nach konnte ich mich aber immer mehr dafür begeistern, denn auf diese Weise ist man selbst sehr viel mehr ins Spiel integriert als ich das bei einem Formel 1-Spiel erwartet hätte. Nach dem Erstellen des Fahrerprofils dürft ihr euch nun für ein Team entscheiden, mit dem ihr in eure erste Saison geht. Natürlich steht weder Ferrari noch Red Bull zur Verfügung, sondern eine Handvoll kleiner Teams, von denen ich mich für Williams entschied. Jetzt geht’s also endlich los, wie man sich das vorstellt: der aktuelle Rennkalender wird abgearbeitet und bestenfalls mit der Weltmeisterschaft abgeschlossen.

Ein Rennwochenende dauert aber weitaus länger als man das von Rennspielen gewohnt ist. Selbst wenn ihr euch für die kurze Version entscheidet, sind etliche Runden hinter sich zu bringen, nämlich im freien Training, im Qualifying und schließlich im Rennen. Theoretisch könnt ihr die Trainingsläufe auch überspringen, doch ein guter Startplatz verbessert nicht nur eure Chancen auf den Sieg, sondern auch euren Ruf gegenüber der Konkurrenz und des eigenen Teamkollegen. Diese Tatsache sollte ich vielleicht kurz aufdröseln. Nach jedem Rennwochenende bekommt ihr Ruf-Punkte für eure eingefahrenen Ergebnisse, die euch rollenspielartig aufleveln. Dies ist entscheidend für den Verlauf eurer Karriere, da es den Anhaltspunkt für größere Teams darstellt, wann ihr eventuell gut genug seid, einen Teamkollegen wie etwa Lewis Hamilton hinter euch zu lassen. Fahrt ihr also gut, bekommt ihr Verträge angeboten, bei denen ihr übrigens auch bessere Konditionen aushandeln könnt. Was euch das verdiente Geld für einen solchen Vertrag bringt, weiß ich allerdings bis heute nicht. Lediglich die Position im Team hat kleine Auswirkungen auf die Saison, denn als erster Fahrer im Team bekommt ihr Verbesserungen am Auto auch zuerst eingebaut. Überhaupt spielt das teaminterne Duell eine große Rolle in F1 2010. Jederzeit könnt ihr einsehen, wer verschiedene Duelle wie oft für sich entscheiden konnte und auch auf der Strecke bekommt ihr durchgegeben, wo sich euer Teamkollege gerade aufhält. Der Boxenfunk lässt nebenbei bemerkt sehr zu wünschen übrig. Anstelle sinnvoller Abstandsansagen zum Hintermann gibt es eher (oftmals sogar fehlerhafte) Kundgebungen, ob der Zwangzigstplatzierte gerade in die Box einbiegt…

Die erste Hälfte eines Wochenendes bilden also die Trainingssessions. Entscheidet ihr euch vorher für ein langes Rennwochenende, müsst ihr sogar zwei freie Trainings und alle drei Abschnitte der Qualifikation hinter euch bringen – ein sattes Paket! Dies gilt auch für die Rennen. Die minimale Distanz für ein reguläres Saisonrennen ist nämlich 20 % der Originaldistanz. Das entspricht auf den meisten Kursen zwischen 10 und 15 Runden. Ihr braucht für einen Lauf also locker 20 Minuten. Das bringt einem nicht nur die Strecken näher und wirkt einigermaßen authentisch, sondern fordert euch auch eine Menge ab. Damit meine ich besonders die Konzentration! Denn 16 Runden Stadtkurs Monte Carlo am Limit und ohne Kollision zu meistern, ist unheimlich anspruchsvoll. Aus diesem Grund haben die Entwickler die Funktion der Sofortwiederholung eingebaut. So dürft ihr, wenn ihr etwa nach einer Viertelstunde Raserei in eine Mauer brettert, ein paar Sekunden zurückspulen und – ganz Prince of Persia-like – die Kurvenpassage wiederholen. Das erspart euch ein vorzeitiges Rennende und eine Menge Frust. Die Anzahl der Rückblenden hängt hierbei übrigens vom Schwierigkeitsgrad ab; ein optimal gelöstes Problem.

In technischer Hinsicht gibt es Höhen und Tiefen. Optisch ist F1 2010 ein echter Hingucker; generell ist die gesamte Präsentation sehr gut gelungen. Allerdings habe ich selten ein Spiel gespielt, das so viele Bugs enthält! Und wenn es nur die manchmal krassen Grafikfehler wären… Dazu kommen die schon erwähnten Boxensprüche und besonders das bereits heftig im Internet diskutierte Gerücht, die Rundenzeiten der KI seien gescriptet. Auch ich würde das mal behaupten, denn wenn ein Gegner vor mir startet und ich nach der ersten Runde vor ihm über die Linie gehe, wie kann er dann die schnellste Rennrunde gefahren sein?! Das sind viele Kleinigkeiten, die manchmal etwas nerven. Großartig ins Gewicht schlagen sie aber auch nicht, denn die Spielbarkeit bleibt hervorragend.

Ich habe mich als Formel 1-Fan lange darauf gefreut, endlich mal wieder auf einer Konsole F1-Grand Prix fahren zu dürfen und dieses Spiel hat meine Erwartungen sogar noch übertroffen. Vorher dachte ich eher an ein Game, das man spontan zum parallel real stattfindenden Rennen mal hervorholen kann, um die Strecke wie die Großen zu fahren. Nun bin ich aber sowas von drauf hängen geblieben, dass ich die Spieldauer eines Abenteuerspiels bereits locker überschritten haben dürfte. So habe ich kürzlich erst im dritten Jahr einen Vertag bei McLaren unterschrieben, den ich natürlich auch erfüllen möchte. Neben den vielen fesselnden Details in der Karriere, wie Strategie oder Interviews, kann man die Strecken natürlich auch jederzeit einzeln fahren und die jeweiligen Bestzeiten jagen (sogar auch die realen Rundenrekorde). Außerdem ist es möglich, sich selbst einen Saisonverlauf zusammenzustellen. Dass alle Lizensen original sind, versteht sich von selbst. Der entscheidende Punkt, warum ich F1 2010 jedem Formel 1- und auch Rennspielfan empfehlen kann ist aber einfach die Spielbarkeit. Das Fahrverhalten ist zu jederzeit extrem realistisch; ob es nun mit der Reifenwahl, der Aerodynamik oder dem Wetter zusammenhängt. Außerdem bietet euch das Spiel unheimlich viele Möglichkeiten für euren persönlichen Fahrstil. Ihr könnt verschiedenste Fahrhilfen und Schwierigkeitsgrade auswählen, sodass zu jeder Zeit eine optimale Forderung gegeben ist. Ein tolles Formel 1-Vergnügen!

90 %

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