Der Serientipp: Glee – „High School Musical“ in gut

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Die William McKinley High School ist eine Highschool, wie man sich das so vorstellt. Die klischeehafte Gruppenbildung kennt jeder, der auch nur ein wenig mit amerikanischer Popkultur in Kontakt gekommen ist: Cheerleader, Sportler, Nerds, Streber, Loser usw. Die eine mobben die anderen und die wiederum versuchen, irgendwie mit ihrem Leben klar zu kommen. Kennt man so weit. Klingt nicht nach einer Serie, die Ihr unbedingt sehen müsst? Dann stellt euch zusätzlich vor, diese Teenager nutzen jede freie Gelegenheit, um zu singen und zu tanzen.

Ganz genau: Eine Musical-Serie, die an einer amerikanischen Highschool spielt.

Ich seh schon eure entsetzten, angewiderten Gesichter vor mir. Trotzdem stehe ich voll und ganz hinter meinem Serientipp. Ich wage sogar zu behaupten, dass Glee die unterhaltsamste TV-Serie seit Jahren ist. Wie ich diese unfassliche Behauptung rechtfertige, lest ihr nach dem Klick.

Rekordverdächtige Einschaltquoten. Im Voraus bestellte Staffeln. 13 Millionen verkaufte Singles. Fünf Millionen verkaufte Alben. Eine ausverkaufte US-Tournee. Vier Golden Globes.

In den USA war Glee das Medienphänomen 2010. Innerhalb weniger Folgen schaffte es das Format zum Kult- und Mainstream-Erfolg zu werden. Die Medien sind voller Gastauftritte der jungen Darsteller. Nominierungen und Preise sind auf allen passenden Veranstaltungen selbstverständlich. Stars wie Britney Spears, Cameron Diaz und Meat Loaf hatten schon ihre Gastauftritte. Trotz alle dem war die Serie in Deutschland praktisch unbekannt. Bis jetzt. Heute Abend sollen nun auch die deutschen Fernsehzuschauer von der Begeisterung angesteckt werden. Ein guter Grund, sich das Phänomen einmal genauer anzuschauen.

Glee erklärt sich selbst

Ich muss gestehen, ich bin großer Glee-Fan. Seit Beginn der US-Ausstrahlung verfolge ich die Serie und warte jede Woche sehnsüchtig auf die neue Folge. Und ja, das traue ich mir zu sagen, ohne dabei meine Heterosexualität in Frage zu stellen, obwohl die Beschreibung der Serie bei jedem sofort die Assoziation „High School Musical“ hervorruft. Doch so sehr die kurze Beschreibung an die unsäglich schlimmen Disney-Filme mit herumhüpfenden und schmachtenden Teenies erinnert, so sehr unterscheidet sie sich letztlich doch von diesen. Ich werde versuchen, euch meine Begeisterung näher zu bringen. Erst einmal: Um was geht es eigentlich?

Wir befinden uns an einer ganz normalen Highschool im wenig aufregenden mittleren Westen der USA. Hier arbeitet der junge, charismatische Spanischlehrer Will Schuester. Neben dem Unterrichten ist Musik seine größte Leidenschaft. Leider kommt er aufgrund seiner Arbeit und seiner etwas komplizierten Ehefrau nicht mehr dazu, seine Leidenschaft auszuleben. Daher zögert er nicht, als sich ihm die Gelegenheit bietet, die Führung des Glee-Clubs der Schule zu übernehmen. Glee bezeichnet in den USA eine Art Show-Chor. Das bedeutet, dass die Chormitglieder beim Singen nicht nur da stehen wie festgenagelt, sondern nach einer aufwendigen Choreografie tanzen. Wie im Musical eben. Ja, das ganze klingt abgedreht und freaky. Und dementsprechend besteht der Glee-Club anfangs auch nur aus der unteren sozialen Schicht einer Highschool: Nerds, Streber und wer aus sonstigen Gründen im komplexen System der Teenager-Gesellschaft als „uncool“ gilt. Aus dieser Schwierigkeit zieht Glee eine großen Teil seiner Storys. Daneben beschäftigt sich die Serie aber auch mit den Problemen der erwachsenen Charakter. Wills zerbrechende Ehe, Kleinkriege im Lehrerzimmer und der Umgang eines Automechanikers mit seinem schwulen Sohn sind nur einige Beispiele.

Hier deutet sich schon die Stärke von Glee an. Die scheinbare Oberflächlichkeit des Konzept täuscht gewaltig. Selten habe ich in einer Serie eine solche Vielzahl an großartigen, abgedrehten, verrückten, aber auch liebenswerten und sympathischen Charakteren gesehen. Ob es der Gut-Mensch Will ist, die sadistische Cheerleadertrainerin Sue, die übergewichtige Schwarze Mercedes, der bekennend schwule Kurt oder die schwangere Cheerleaderin Quin; Glee zeichnet es aus alle Highschool-Klischees zu erfüllen und gleichzeitig gekonnt zu brechen.
Soweit eine nette Serie mit spannenden Geschichten und tollen Charakteren.

Aber bei Glee kommt noch die Musik dazu. Keine Angst, die Figuren fangen nicht aus heiterem Himmel an, durch die Schule zu tanzen und ihre Gefühle heraus zu singen. Die Musiknummern sind immer in der Story begründet, zum Beispiele durch Proben, Auftritte oder Träume. Und die Musik ist einfach großartig! Jede Folge umfasst mehrere Nummern, auf höchstem Niveau produziert. Nicht umsonst muss jeder Darsteller neben dem Schauspielen auch Singen und Tanzen können. Die meisten haben sogar eine Vergangenheit am Broadway. Selbstverständlich singt in Glee jeder Darsteller selbst. Und zwar jeder einzelne richtig gut. Die Musik erstreckt sich über die verschiedensten Genres. Meistens jedoch ist Glee topaktuell und covert, was gerade die Musikwelt begeistert. Als beispielsweise Cee-Lo Greens Hit „Fuck You“ heraus kam, hatte ihn Glee zwei Wochen später in der Sendung. Und auch in den Themen der einzelnen Folgen gibt sich Glee äußerst aktuell. Als vor einigen Wochen in den USA das Schwulenmobbing unter Jugendlichen in allen Medien war, hatte Glee sofort eine Folge dazu im Programm. Die sehr kurze Produktionszeit mindert aber in keiner Weise die Qualität. Bei Glee kann es jede Folge mit einem ausgewachsenem Musical im Kino aufnehmen.

Gwyneth Paltrow performt „Forget You“ in Glee

Neben all dem macht Glee einfach nur Spaß. Ungewöhnlich schnell hat man die Charaktere lieb gewonnen und fiebert bei ihren Problemen mit. Die tolle Musik tut ihr übriges, um die Emotionalitat und den Spaß an der Serie zu maximieren.
Ich empfehle also ausdrücklich: Schaut euch Glee an! Gebt diesem zugegeben ungewöhnlichem Konzept eine Chance und lasst euch anfangs nicht abschrecken. Ihr werdet es genießen.

Ich bin normalerweise nicht so, aber in diesem Fall lege ich euch das englische Original besonders ans Herz. Nicht nur, dass die deutschen Stimmen für mich schrecklich klingen – ich bin ja auch von Anfang an das Original gewöhnt – in diesem speziellen Fall führt die Synchronisation dazu, dass jede Figur zwei unterschiedliche Stimmen hat: eine zum Sprechen und eine zum Singen (da sie in Deutschland zum Glück die Songs nicht synchronisieren). Also, wenn ihr ein bisschen Englisch könnt, holt euch das Original. Die Serie ist in den USA gerade in der Mitte der zweiten Staffel.

Für alle anderen startet heute Abend Glee in Deutschland. Und zwar um 20:15 auf Super RTL.
Viel Spaß!

Der Glee-Klassiker aus der ersten Folge

Hinweis: Ihr glaubt nicht wie bestürzt ich war, dass Glee auf diesem Kindersender laufen soll. Das beweist nur ein weiteres Mal wie unfähig deutsche Fernsehmacher sind. Da wurde eindeutig die wahre Zielgruppe und das wahre Potenzial der Serie verkannt. In den USA lauft Glee auch im normalen Erwachsenenprogramm von FOX. Wenn die Serie hier floppt weiß ich jetzt schon warum.

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2 Antworten to “Der Serientipp: Glee – „High School Musical“ in gut”

  1. Schuld sind die Programmplaner – Ein kurzes Fazit nach dem Deutschlandstart von Glee « Klapperstrauß – Platten, Filme, Games und Bücher. Popkultur. Says:

    […] ein riesiger Erfolg ist, hat es die Serie nun endlich auch ins deutsche Fernsehen geschafft (wir berichteten). Angesichts der Werbemaßnahmen hatte RTL scheinbar große Hoffnungen in einen ähnlichen Erfolg […]

  2. Thomas Says:

    Stimme dir in allem zu. Die RTL Macher sind wirklich saudumm die Serie auf Super RTL auszustrahlen, ansonsten wäre sie sicher ein Hit geworden – so nimmt sie eben niemand wahr. Schade die Serie ist eine der besten die ich (Erwachsener ;-) je sah!

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