Unser Song für Deutschland – War er dabei? (Teil 1)

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Millionen Zuschauer verfolgten am Montagabend auf Pro 7, wie sich unsere Grand Prix-Gewinnerin Lena mit sich selbst fetzte. Sie präsentierte insgesamt sechs Songs, von denen die Fernsehzuschauer letztendlich drei Titel ins Finale telefonieren durften. Was wir von der Publikumsentscheidung und den Titeln im Einzelnen halten, lest ihr nach dem Klick. Außerdem gibt’s die ganzen Lieder sowie die gesamte Sendung zum Nochmalhören.

logo unser song für deutschland,schriftzug,lena meyer-landrut

Bevor ich die Songs hier einzeln begutachten will, erst einmal zur Rahmenhandlung. Als Lena Meyer-Landrut sensationell im letzten Jahr den Eurovision Song-Contest in Oslo gewann, stand schnell fest: die Gute soll uns auch 2011 vertreten und den Titel verteidigen. Wer das entschieden hat?! Keine Ahnung. Wer das für sinnvoll hält?! Lenas Plattenfirma und Stefan Raab sicherlich – aber sonst wahrscheinlich keiner. Und warum überhaupt in Düsseldorf?! Auch dieses Rätsel wird wohl für alle Zeit ein solches bleiben…

Aber nun genug der Kritik. Wir machen das beste draus und evaluieren konstruktiv, mit welchem Song wir die besten Chance im Finale haben könnten. Zuerst aber kurz zum System der ganzen Veranstaltung. Lena präsentiert in zwei Sendungen jeweils sechs Songs, von denen die Fernsehzuschauer jeweils drei Lieder in die Finalsendung wählen. Dort wird dann über den Song für den Contest entschieden, mit dem Lena in Düsseldorf antreten wird. Auch steht uns wieder pro Show eine kompetente Jury zur Seite und beglückt uns mit ihrer Meinung. Nein, Scherz. Der Qualität der Beiträge am Montag zufolge hat man sich bei Pro 7 dafür entschieden, zwei bezahlbare Promis einzustellen, um Lenas Zeit zum Umziehen zwischen den Songs zu überbrücken. Gestern durften wir uns hier mit „dem Grafen“ (was für ein cooler Name) und der netten Steffi von Silbermond vergnügen (schöne Grüße von Kim). Eigentlich habe ich nichts gegen diese Leute, trotzdem kam bis auf Raabs Meinung nicht viel Hilfreiches herüber… Weitergekommen sind im Endeffekt die Titel „Taken by a Stranger“, „Maybe“ und „What happened to me“. Nun möchte ich die Songs aber kurz einzeln kommentieren und sie euch auch verlinken. Ihr braucht also nicht lange nach den Streams zu suchen (denn bei Youtube gibt’s nix), sondern müsst sie lediglich hier im Beitrag anklicken und reinhören.

1. „Good News“

Schonmal ein sehr netter Start in den Abend. Besonders die Strophe ist sehr stimmungsvoll und mit den straighten Klavier-Achteln wirklich schön – auch wenn sie mich etwas an „I need a Dollar“ erinnert… Auch der Refrain ist nicht schlecht und bleibt auf jeden Fall im Ohr. Für den Contest aber ist der Song zu wenig mitreißend und neuartig, und hat’s ja dann auch nicht in die nächste Runde geschafft.

2. „Maybe“

Vielleicht der Song mit dem größten Radiopotential. Sehr erfrischend und mit schönen Harmonien. Besonders im Vorlauf zu Lenas Auftritt wurde die Studioaufnahme des Öfteren eingespielt, die mich mit einer sehr coolen Hip-Hop-Basedrum begeistern konnte. Im Fernsehstudio mit den Heavy Tones gab’s jedoch nur ein normales Schlagzeug, was meiner Meinung nach weniger passte. Ich würde also dafür plädieren, einfach den entsprechenden Effekt auf die Base zu packen, da es den Song mit Sicherheit noch verbessern würde – sonst hätten sie’s auf der Albumversion ja wohl auch nicht gemacht… Insgesamt also ein wirklich guter Song, der es beim Contest aber trotzdem schwer haben dürfte, da er womöglich zu wenig neues bietet.

3. „I like You“

Ein sehr einfacher Song im Jack Johnson-Style. Stellt euch ein Lagerfeuer am Strand vor, eine schöne Gitarre und eine Surfer-Brise, die euch um die Ohren weht. Genau so fühlt sich dieses Lied an. Chillig, angenehm und eingängig. Und da man Lena nicht unbedingt aus einer solchen Rolle kennt, hätte ich dem Song am zweit-ehesten zugetraut, beim Contest gut anzukommen – wird er aber nicht.

4. „That Again“

Bigband-Feeling! Cooler Auftritt! Hätte meiner Meinung nach auch ganz gute Chancen gehabt, da man Lena so noch nie gehört hat. Überhaupt muss man sagen und positiv hervorheben, dass die Lieder sehr unterschiedlich sind und viele Facetten zeigen. Und wir brauchen definitiv etwas neues! Leider hat’s auch dieser Titel nicht geschafft, schade.

5. „Taken by a Stranger“

Der absolute Song des Abends. Ich hab schon lange kein neues Lied mehr gehört, dass mich wirklich jede Sekunde seiner Dauer fesseln konnte. Der Grund dafür: Innovation und Überraschungsmomente. Man war jederzeit gespannt, was wohl als Nächstes passieren könnte. Eine weitere neue Seite von Lena – wer hätte gedacht, dass sie bei einem recht düsteren, vor allem aber elektronischen Song, eine solche Stimmungskurve aufbauen und auch aufrecht erhalten kann? Wohl die wenigsten. Denn der Song kam zu meinem Überraschen sehr gut beim Publikum an; wurde auch weitergewählt. Warum überraschend? Weil er weniger Mainstream war und viel mehr experimentell. Sowas liebe ich; die breite Masse hingegen nicht. Umso erstaunlicher also, dass Lena gerade diese überzeugen konnte. Der Song mag auf Dauer vielleicht etwas eintönig werden; für ein einmaliges Event wie den Contest kann ich mir aber kaum etwas passenderes vorstellen!

6. „What happened to me“

Ein selbsgeschriebener Titel von Lena – wobei sich wohl zum Hauptteil auch hier Raab verantwortlich zeigen dürfte. Für mich aber der schlechteste Song des Abends. So kennen wir Lena schon! So hat das ganze auch schonmal funktioniert – aber es wird auf diese Weise nicht nochmal klappen. Punkt. Ich kann mir gut vorstellen, dass uns der Song in naher Zukunft radiobedingt aus den Ohren rauskommen wird aber für den Contest ist er meines Erachtens ein Kandidat auf die hintersten fünf Plätze. Deshalb frage ich mich ernsthaft, warum es „What happened to me“ in die nächste Runde geschafft hat. Versteht mich nicht falsch; das Lied ist nicht schlecht! Allerdings wenig innovativ.

Fazit:

Ich bin erstmal generell der Meinung, dass es eine gute Show war; besonders der Qualität der Lieder wegen. Lena macht auf mich aber irgendwie den Eindruck, als sei ihr die Leichtigkeit und besonders die Energie auf der Bühne etwas abgegangen. Allerdings eher bei den ihr typischen Titeln. Sobald man sie in einer neuen Rolle sah, bilde ich mir ein, die Power des letzten Grand Prix‘ in Augen und Körpersprache wieder gesehen zu haben. Von den drei Liedern, die nun also weitergekommen sind, spreche ich „Maybe“, vor allem aber „What happened to me“ die Chancen auf eine Top-Platzierung beim Eurovision Song-Contest ab. „Taken by a Stranger“ dagegen scheint mir aber einiges reißen zu können. Denn letztes Jahr hat nicht „Satellite“, sondern Lena gewonnen. Und da nicht nochmal Lena gewinnen wird, braucht es entweder einen zeitlosen Welthit (den wir aber Montag nicht gehört haben) oder eine hinreichend andere, neue Lena. Dieses Kriterium tangiert „Taken by a Stranger“ eigentlich ganz gut. Um nun die Eingangsfrage zu beantworten: Der Song für Deutschland könnte mit diesem Titel dabei gewesen sein. Ich bin also sehr gespannt, was uns nächsten Montag noch für Kompositionen erwarten und freue mich ganz nebenbei auch auf ein vielseitiges Lena-Album, das am 8. Februar erhältlich sein wird.

PS: Die gesamte Sendung seht ihr hier in der Mediathek von Pro 7.

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2 Antworten to “Unser Song für Deutschland – War er dabei? (Teil 1)”

  1. Unser Song für Deutschland – War er diesmal dabei? (2) « Klapperstrauß – Platten, Filme, Games und Bücher. Popkultur. Says:

    […] Qualität der Songs und vor allem die Vielfalt kommt für mich nicht ganz an die Sendung der vergangenen Woche heran. Der einzige Titel, der Chancen auf den Sieg beim Contest hätte wäre wohl die Nummer 1. […]

  2. Unser Song für Deutschland ist gefunden « Klapperstrauß – Platten, Filme, Games und Bücher. Popkultur. Says:

    […] der Song. Außerdem könnt ihr alle Einzelkritiken der Songs nochmal nachlesen – und zwar hier sowie […]

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