White people can’t dance: „Boss Time“ in Koblenz

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Bei manchen Dingen sollte man einfach skeptisch werden. Niemand kann die Zahl all der kleinen Amateurcoverbands messen, die auf dem Feuerwehrfest ihres Dorfes mit einem Mischmasch aus alten Rocksongs und irgendwelchen ausgelutschten Punkrocknummern auftreten; aber es gibt Coverbands, die das alles etwas professioneller aufziehen und damit sogar Geld verdienen.

Und dann gibt es Coverbands, die nur eine einzige Band imitieren wollen. Das geht von grotesk („Still Collins“ – ich meine, ist das Original nicht schon egal genug?) über lächerlich (ich weigere mich, den Aufwand zu investieren, den Namen dieser einen Rage Against The Machine-Coverband zu googlen, die tatsächlich Alben über Amazon verkauft) bis hin zu gewagt – und so eine gewagte Band trat gestern im Café Hahn in Koblenz auf.

Die Rede ist von Boss Time, einer Bruce-Springsteen-Coverband.

Boss Time Koblenz Café Hahn

Herausragender Fotojournalismus

Das Publikum war erwartungsgemäß alt, und erwartungsgemäß anfangs wenig an Songs interessiert, die nicht „Born In The USA“ waren. Die meisten zeigten anfangs erwartungsgemäß keine Regungen bei Songs, die sie nicht kannten; die meisten klatschten erwartungsgemäß aber brav Beifall, der zum Ende hin aber in echten Jubel umschwang. Bis auf die wenigen Hardcore-Springsteen sang bis zur Mitte des Gigs auch erwartungsgemäß niemand mit. Ach, und wenn schon.

Denn meine größte Befürchtung war natürlich die Qualität der Band.

Ich musste mir keine Sorgen machen. Ich weiß ja, dass ich übertriebene Ansprüche habe, aber, nicht nur, dass Frontmann und Boss-Imitator Thomas Heinen die charakterischen Gesten, Gesichtsausdrücke und Bewegungen Springsteen verinnerlicht hatte, nein, auch seine Stimme klang dem Original zum verwechseln ähnlich (und sowas schreibe ich nicht, wenn es nicht stimmt).

Die Band selbst gab mit einem soliden bis teils herovrragenden Auftritt wenig Grund zur Beschwerde; wenn auch winzige Details in Songs mal untergegangen sind, lag das sicherlich auch an der Natur eines Live-Auftritts. Die Songauswahl war teils vorhersehbar (das eben angesprochene Born In The USA, Dancing In The Dark, Glory Days, The River, The Rising), teils doch überraschend (Trapped, Racing In The Street nur mit Gitarre und Mundharmonika, Darlington County – nicht, dass das für den Fan unbekannte Songs wären, aber man kann bei einem solchen Auftritt ja nicht die gleiche Fanbase erwarten wie bei einem echten Springsteen-Gig).

Springsteen könnte heute keine Polonaise mehr auf die Bühne leiten

Mit dem wirklich beherztem Auftritt der ganzen Band und natürlich insbesondere ihres Frontmannes schaffte es Boss Time gegen Ende ihres fast dreistündigen Auftrittes dann, auch die casual audience mitzureißen; in frenetischem Jubel verließen die Band die Stage.

Selten habe ich eine Coverband gesehen, die mit einer solchen Leidenschaft ihrem Vorbild nacheifert und es schafft, nicht wie eine schlechte Parodie, sondern eine echte Hommage zu wirken. Ich lasse mich ungern zu solchen Lobeshymnen hinreißen, aber Boss Time haben mich angesichts dieser Umstände wirklich umgehauen.

Nur eines hätte Thomas Heinen lieber lassen sollen: Obwohl er im Prinzip sogar äußerlich dem Boss ähnelt, hätte er seine Baseball-Mütze besser aufgelasssen – denn kahl ist Springsteen noch nicht.

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