Seether – Holding On To Strings Better Left To Fray (2011)

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Jesses. Was hat Shaun Morgan nur mit diesen langen Namen? Nach Finding Beauty In Negative Spaces aus dem Jahr 2007 haben Seether am 17. Mai ihren neuen Longplayer mit dem knackigen Titel Holding On To Strings Better Left To Fray rausgehauen, das direkt auf Platz 2 der Billboard 200 eingestiegen ist.

Seether haben mir bisher immer ganz gut gefallen, besonders herausgestochen sind sie aber nicht. Unauffällig gefällig. Kann das neue Album etwas an diesem Eindruck ändern?

 

Insgesamt ist die Platte etwas zurückgeschraubter als ihre Vorgänger, die doch gerne mal ziemlich überproduziert rüberkamen. Die Gitarrenarbeit wurde deutlich verfeinert – es gibt klare Unterschiede zwischen Rhythm und Lead. Morgans Stimme war sowieso über allen Zweifeln erhaben, auch wenn auch er das Game nicht neu erfindet. Dennoch klingt Morgan angenehm rau, wie eine härtere Version von Eddie Vedder (ich will hier Chad Kroeger nicht in Verbindung mit Vedder einwerfen, aber eine Mischung aus beiden trifft den Punkt wohl ganz gut).

Auch die Songs sind etwas abwechslungsreicher und entsprechend produziert. Die meisten Folgen immer noch Schema F, also clean im Verse, hart im Chorus, das wirkt aber nicht mehr so abgedroschen wie auf manchem alten Song.

„Fur Cue“als Opener ist ein Standardrocksong und deutet nicht auf irgendwelche Veränderungen im Vergleich mit vorherigen Alben hin. Textlich hält er sich Seether-typisch recht vage, beschreibt eher Eindrücke als Umstände. Dennoch ist er vergleichsweise recht interessant, auch wenn die Dynamik etwas hängt. „No Resolution“ startet mit einem klassichen Intro-Solo, was man von Seether bisher nicht gewöhnt war. Die Hook im Chorus hookt (oha). „Here And Now“ ist im Prinzip ein Popsong mit harten Gitarren. Mit ein paar Klaviermelodien ist er aber etwas neues für Seether. Der Albumtitel borgt sich übrigens aus den Lyrics dieses Songs.

„Country Song“ ist  missverständlich betitelt, denn das Einzige, das entfernt an Country erinnert, ist das Slideguitar-Riff im Verse. Morgan erklärt:

[The song] got its name from the swampy verse riff. […] It’s definitely not country, but we recorded the album in Nashville, and felt like it was a small homage to such a wonderful city.

Eine kleine Hommage, in der Tat. Der Song wurde auch als erste Single aus dem Album ausgekoppelt – etwas gewagt, in meinen Augen.

Was die Einfallslosigkeit bei der Titelgebung angeht, rivalisiert „Country Song“ nur mit „Master of Disaster“. Der ist etwas langsamer und ruhiger, bietet Platz für die Vocals; insgesamt einer der stärksten Songs des Albums.

„Tonight“ ist wieder einer jener Popsongs mit Gitarren, der nicht weiter beachtenswert ist. Ungewöhnlich ist nur der positive Ton des Lieds – ungewöhnlich für diese Teen-Angst-Band. „Pass Slowly ist“ die erste reine Ballade des Albums. Die detailreiche Gitarrenarbeit reißt den etwas abgedroschenen Ablauf heraus und hinterlässt einen guten Eindruck des Songs.

„Fade Out“ ist ein straighter Rocksong – einfach, aber gut. Nettes Detail ist das Wolfsheulen am Ende. „Roses“ bleibt unauffällig, hat ein nettes Riff im Break. „Down“ wiederum hat einen interessanten Rhythmus und eine nette Hook. In „Desire For Need“ kann Morgan mal wieder über harten Riffs seine Wut herausschreien, was der Band gut steht; bitterer wird es nur am Ende mit „Forsaken“. Der recht langsame Song schließt das Album stark ab.

Wie das heute so üblich ist, gibt es Holding On To Strings Better Left To Fray in schätzungsweise zwölf verschiedenen Deluxe-Versionen, die mehr oder weniger Zusatzsongs bieten. Ich will mich über diese Marketingmasche an dieser Stelle nicht auslassen; ich will nur sagen, dass ich allein die Standard-Edition des Albums gehört habe. Die allerdings ist meines Erachtens eines der stärksten Alben dieser ehemals südafrikanischen Band. Seether haben dem Drang wiederstanden, allzu poppig zu werden, und die Großzahl an Balladen, die sich auf älteren Alben fanden, gedroppt. Ob das gut oder schlecht ist, muss man selbst entscheiden; ich selbst fand die langsamen Songs immer die größte Stärke dieser Band. Allerdings lag das vielleicht auch daran, dass die schnelleren früher tendenziell schwach waren, und das hat sich geändert.

Fazit also ist: Holding On To Strings Better Left To Fray ist ein gutes Album geworden, das man sich ohne schlechtes Gewissen reinziehen kann. Seether haben sich als Band eindeutig weiterentwickelt, sowohl was Songwriting als auch Arrangement betrifft. Seether ist eine Band, die nie in die Annalen der Rockgeschichte mit einem Killeralbum à la Zeppelins IV eingehen wird, aber durchaus in der Lage, konstant guten Content rauszuhauen, der für eine Weile unterhält. Ich rate nicht vom Kauf der neuen Scheibe ab.

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