Limp-Bizkit-Double-Feature: „Gold Cobra“ und live in Mannheim, 25.6.2011

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Lange genug haben sie uns warten lassen, aber seit Freitag ist es draußen: Gold Cobra, das neue Album von Limp Bizkit. Nachdem man in letzter Zeit reichlich wenig von den Nu-Metal-Pionieren gehört hatte, melden sie sich mit einem neuen Longplayer zurück. Parallel dazu startete gestern die Deutschland-Tour in der SAP-Arena in Mannheim. Starten Limp Bizkit jetzt also wieder voll durch? Album-Review und Konzertbericht nach dem Klick.

Gold Cobra (2011)

Nach dem Intro (das nicht so viel Lust auf die Scheibe macht wie etwa bei Chocolate Starfish) startet „Bring It Back“ mit reinem Hip-Hop-Beat im Verse und Slayer-Riff im Chorus. Obwohl der Übergang zwischen beiden beim ersten Hören etwas gewöhnungsbedürftig scheint, sagt der Song schon an, wohin die Reise geht: Nu Metal, wie es kaum einer noch zu produzieren wagt. Der Titel-Track „Gold Cobra“ ist so typisch Limp Bizkit, dass einem das Herz aufgeht – mit gutem Flow in der Strophe und einem fetten, melodischen Refrain. „Shark Attack“ erinnert stark an „Break Stuff“, kommt aber nicht ganz an dessen Energie ran. „Get A Life“ rotzt wieder hart raus an, nun ja, die Welt, wie man das von Fred Durst so kennt. Und im Ernst: Limp Bizkit haben sich in meinen Augen das Recht verdient, keinen Scheiß auf Hater zu geben. Was anfangs noch etwas lächerlich anmutete, ist mittlerweile durchaus angebracht, weil es keine Band schafft, dieses Genre so konsequent umzusetzen.„They just hatin’ ’cause this motherfucker made it.“

Die Vorabsingle „Shotgun“ ist ein zumindest im Refrain ein straighter Modern-Metal-Song, etwas anders als die anderen und einer der stärksten auf Gold Cobra. „Douche Bag“ übertrifft sogar „Hot Dog“ an Anzahl der „fuck“s – das liegt zugegebenermaßen am Refrain:

Douchebag, I’mma fuck you up

Fuck you, fuck you, fuck you up

“Walking Away” ist ein Song, bei dem Wes Borland seine Skills zeigen kann. Der melodische und instrumentale Song ist ein Bruch im Tempo des Albums, das bis dahin ordentlich angezogen hat. Im Stile von etwa „It’ll Be OK“ verzichtet Durst weitgehend auf Rap und lässt so mehr Platz für die Musik. Auch „Loser“ hat ein anderes Feeling als die ersten Songs der Platte mit einem fast positiven Unterton und langsamen Tempo. Am Ende des Songs, vollkommen unerwartet, spielt Fred Durst mit Autotune rum und kündigt so den nächsten Song an: „Autotunage“, das die berüchtigte Stimmverzerrung einsetzt. Das allerdings so zurückhaltend, dass es einem kaum aufgefallen wäre, gäbe es nicht die Ankündigung. Ansonsten ist „Autotunage“ ein nicht übermäßig herausstechender klassischer Nu-Metal-Song.

Ohne Baseballcap vergeht die Zeit schneller

„90.2.10 – Limp Bizkit“ startet wie klassischer Metal, verfällt aber schnell wieder in einen groovigen Beat. Außerdem gibt die Band DJ Lethal ein wenig Platz für seine Scratches und Samples. „Why Try“ ist eindeutig einer der stärksten Songs des Albums. Er pusht sofort nach vorne, nimmt sich auch im Verse nicht zurück, baut vor dem Chorus ordentlich Spannung auf und kickt dann richtig. So möchte man Limp Bizkit hören. Als letzter Track des Albums baut „Killer In You“ an Lautstärke und Tempo ab; dafür kann Borland noch mal ein paar geile Riffs raushauen. Alles in allem ein guter Abschluss.

Das Warten auf Gold Cobra hat sich eindeutig gelohnt. Das Album bietet alles, was man sich von Limp Bizkit gewünscht hat, und darüber hinaus noch mehr. Die Band hat es geschafft, interessante Ideen organisch in ihren Sound einzubauen und ihrem Stil treuzubleiben, ohne langweilig zu werden. Gold Cobra läuft bei mir rauf und runter und wird das sicher noch eine ganze Weile tun.

Wie sieht das ganze live aus?

Limp Bizkit live in der SAP-Arena Mannheim, 25.6.2011

Gestern haben Limp Bizkit in Mannheim ihren Headliner-Tour-Auftakt (ein tolles Wort) gegeben. Der zweite Rang der SAP-Arena schien gar nicht offen gewesen zu sein; der Innenraum war voll, und der erste Rang fast. Schon vor dem Gig war die Stimmung gut, fast ekstatisch. Als die erste Vorband Psyko Dalek dann auf die Bühne kam, war die Crowd erwartungsgemäß skeptisch. Aber der astreine Nu Metal der schottischen Band war perfekt, um die Stimmung anzuheizen, und hat schon um halb neun abends die ersten Moshpits produziert. Anders war das leider bei der zweiten Vorband Dope D.O.D. Fred Durst persönlich kam auf die Bühne, um seine Homeboys anzukündigen. Ihm war wohl klar, dass nicht jeder im Publikum auf den schwierigen HipHop stehen würde. Und obwohl die drei MCs und ihr DJ eine astreine Show geboten haben, bei der man sah, wie gut sie harmonieren, war die Reaktion von Teilen des Publikums eine der erbärmlichsten Sachen, die ich jemals bei einem Konzert erleben musste. Nach ein paar Songs flogen Bierbecher Richtung Bühne und ein nicht unbeachtlicher Teil der Crowd buhte während und nach den Songs. Die Jungs, die sich wohl als größte Limp-Bizkit-Fans sehen, können keinen HipHop hören. Lächerlich inkonsequent, unfassbar asozial. Dass sie dann irgendwann anfingen, Scooters „Maria“ („döb-döb-döb-döb-dödödöb“) zu skandieren, macht das Ganze nur trauriger. Der Fairness halber: Es gab auch faire Menschen im Publikum. Ich jedenfalls empfehle jedem, der auf gute Beats steht, Dope D.O.D. mal einen Page-Visit zu schenken.

(Kein herausragendes Video, aber einen Eindruck vermittelt es)

Nach einer verhältnismäßig langen Pause kamen Limp Bizkit dann endlich auf die Bühne. Nach dem Intro von Gold Cobra startete der Gig dann mit genau diesem Song. Und ich kann mich an kein Konzert erinnern, bei dem die Leute so dermaßen ausgerastet sind. Mit dem ersten Ton entstanden überall Moshpits; die Stimmung war unbeschreiblich – und das, obwohl kein Klassiker die Set eröffnete. Auch die nächsten Tracks waren vom neuen Album: „Shotgun“, das wohl zum Standardsong live werden wird (Durst spielte Gitarre während Borlands Solo), „Bring It Back“, das an einer anderen Stelle des Gigs nicht so gut angekommen wäre, und „Why Try“, das schon auf Platte knallt und live wegbläst. Fred Durst war dann wohl selber erstaunt über die Reaktion des Publikums und murmelte mehrmals Dinge von wegen „fucking crazy“, „I love Germany“, und so weiter. Die meisten ahnten, was kommen sollte, als Durst dann auf John Otto verwies: „My Generation“. Man merkte allen an, wie sehr sie ausrasten wollten, aber mit einem solchen Auftakt waren einige wohl schlicht und ergreifend müde. Das soll nicht heißen, dass die Leute nicht abgegangen wären, sie konnten nur das Tempo nicht halten.

Die Starfish-Phase ging weiter mit „Livin’ It Up“ und „My Way“, eingeleitet von einem kurzen Motivationssprechen seitens Herrn Durst. Nachdem „Break Stuff“ die Menge wieder zum Kochen (und vor allem Schreien – „break your fucking face tonight“), schraubte „Re-Arranged“ das Tempo etwas runter. Sowieso machte Lethal willkommene Pausen mit kleinen Samples (der Ententanz, das „Rocky“-Theme – überall sonst hätte es lächerlich gewirkt), bei denen man durchatmen konnte.

Ein Satz zur Band: Auch wenn ich aus gut unterrichteten Kreisen informiert wurde, dass Otto beim ein oder anderen Beat etwas gepfuscht hat, spielte die ganze Band hervorragend zusammen. Alle wirkten fit und motiviert, was beim Tour-Start auch recht nützlich ist. Fred Dursts Entertainer-Fähigkeiten machten ordentlich Stimmung, denn anstatt stur eine Set runterzuspielen, ist Limp Bizkit eine Band, die mit ihrer Crowd kommuniziert. Ein Highlight auch Wes Borlands Kostüm: LED-Brille, Schulterpanzer, Stiefel, angemalter Bauch – „the man from outer space“. Ob wir einen „mid-concert snack“ wollen, fragte Durst uns. Er bot uns einen „Hot Dog“ an. Den wenigsten war nicht klar, welcher Song folgen sollte, als er Tom Cruise gewidmet wurde, der angeblich gerade Katie Holmes Magen-Darm-Region erforschte. „Take A Look Around“ war ein Highlight der Setlist, bei dem auch das Publikum letzte Kraftreserven mobilisierte. Weniger ausgerastet ist die Menge bei „Boiler“, das nichtsdestotrotz in meinen Augen einer der stärksten Tracks des Gigs war. Bei „Nookie“ stellte sich Durst dann in den Gang, der in den vorderen Teil des Zuschauerraums hineinreichte, und wurde wohl ausgiebig angefasst. Der Ruck in der Menge in Richtung des Frontmanns zeigte wohl die Begeisterung. Eine kluge Entscheidung war es auch, „Full Nelson“ in zwei ruhigere Songs einzubetten (nämlich „It’ll Be OK“ und das neue „Walking Away“), weil so für das Schlachtfest an Walls und Pits noch Motivation genug war. Und dann wars vorbei, haha.

Bin ich der einzige, dem diese „Zugabe“-Routine auf die Nerven geht? Ewig ließ uns die Band warten, bis sie mit dem unausweichlichen „Behind Blue Eyes“ zurückkam. In meinen Augen unnötig, aber mit einer modifizierten Version von „Faith“ kehrten auch meine Lebensgeister zurück. Ob wir bowlen gehen wollten, fragte Durst angesichts der „Rollin’“-Sprechchöre, und stiftete dann eben „Bowlin’“-Sprechchöre an. Und dann kam eben „Rollin’“, noch einmal voll auf die Fresse und dann vorbei. Gut für meine Ellbogen, Waden, meinen Nacken, zu spät für mein durchgeschwitztes, bierdurchnässtes Shirt. Selten habe ich bei einem so großen Konzert eine derart kochende Stimmung erlebt.

Optische Auflockerung

Wenn man von den unschönen Szenen im Vorfeld bei Dope D.O.D. absieht, war die Crowd bis auf die obligatorischen Ausnahmen auch durchaus angenehm. Limp Bizkit haben es geschafft, alle Songs zu spielen, die jeder hören wollte, und dazu ihr neues Album einzubauen und zu promoten. Die gute Stimmung des Publikums hat sich sichtbar auf die Band übertragen, die einen energetischen und kraftvollen Auftritt hingelegt hat. Kritikpunkte fand ich tatsächlich im Prinzip keine – die Band hat alle meine Erwartungen erfüllt, wenn nicht übertroffen. Und sehr sympathisch finde ich, dass diese Band wirklich kleine, unbekannte, gute Bands supportet und mit auf Tour nimmt. Ich kann jedem nur empfehlen, zu einem Gig zu gehen, falls es noch Karten gibt. Aber lasst das mit den Sitzplätzen sein.

Hier noch mal die Setlist im Überblick:

Introbra

Gold Cobra

Shotgun

Bring It Back

Why Try

My Generation

Livin‘ It Up

My Way

Break Stuff

Re-Arranged

Hot Dog

Take a Look Around

Boiler

Nookie

It’ll Be OK

Full Nelson

Walking Away

Behind Blue Eyes

Faith

Rollin‘ (Air Raid Vehicle)

Und hier gibt es eine Fotogalerie vom Gig.

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Eine Antwort to “Limp-Bizkit-Double-Feature: „Gold Cobra“ und live in Mannheim, 25.6.2011”

  1. PLLW (5) « Klapperstrauß Says:

    […] und Korn ist die Rap-Crew aus den Niederlanden 2011 ganz schön rumgekommen – auch wenn sie nicht immer so gut ankam, wie sie es verdient haben. Basslastige elektronische Beats, die an Dubstep erinnern, treffen auf […]

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