Der Single Charts-Überblick, Kalenderwoche 47/48

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MTV exisitert praktisch nicht mehr, Viva habe ich noch nie geschaut, von deutschem Radio bin ich tausende Kilometer entfernt und Youtube widert mich auch irgendwie an. Insofern ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass ich mit Songs in Kontakt komme, die es in die deutschen Single Charts geschafft haben.

Aber ich hab mir dann doch mal die Mühe gemacht und mich informiert. Und ich muss sagen: Ich bin wie immer geschockt.

Die willkürlich herausgepickten Songs waren in der 47. Kalenderwoche in den deutschen Singlecharts, die Top 10 ist die der 48. Kalenderwoche.

Ich wurde wieder darauf hingewiesen, dass die Videos in Deutschland nicht funktionieren. Das ist bei vielen kein großer Verlust, aber trotzdem ärgerlich. Ich kann nur von den USA aus nicht erkennen, welche Videos in Deutschland geogefickt sind; deshalb, googlet bitte selbst, wenn ihr einen Song hören wollt. Ich bitte um Entschuldigung.

Unheilig – Geboren Um Zu Leben

Was soll man dazu noch sagen? Leute kaufen dieses Machwerk immer noch. Ich würde ja sagen, dass es nicht mehr schlimmer werden kann, aber davon bin ich noch nicht überzeugt.

Timbaland feat. Pitbull – Pass At Me

Schon lange nichts mehr von Timbaland gehört. Wie hab ich die Zeit genossen. Hier hat er sich mit Pitbull zusammengetan, der natürlich den immer gleichen Latino-Beat gefordert hat, ohne den keiner seiner Songs auskommen kann. Das Thema: Nutten im Club. Überraschung!

Professor Green – Read All About It

Prof Green, der mir bisher nur durch gediegenen Partyrap aufgefallen ist, gibt hier einen blatanten Eminem-Abklatsch mit glattgeschliffenen weiblichen Popvocals als Chorus. Warum?

Jürgen Drews – Wenn Die Wunderkerzen Brennen

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Jemand geht in den Mediamarkt, kauft sich die neue Single von Jürgen Drews, fährt aufgeregt nach Hause, legt die CD ein und fängt an, Sangria zu saufen und im Takt zu klatschen. Wird man im Sommerurlaub nicht mit genug Schlager vollgedröhnt?

DJ BoBo – Everybody’s Gonna Dance

Mit der vollen Packung Synthie wird der geneigte Hörer bei der neuen DJ BoBo-Single erschlagen. Wie durchsichtig der Song versucht, von dem amerikanischen Trend zu profitieren, der letztlich nur die Rückkehr des Eurodance ist, tut fast schon weh – gerade weil DJ BoBo auch einfach seinen alten Eurodance spielen könnte. Im Video macht er den Schweizer Gottschalk mit schütternem Haar.

Jennifer Lopez feat. Pitbull – On the Floor

„On the Floor“ steht für mich schon länger als der absolute Musikmoloch dieses Jahres fest. Der Track steht für alles, was falsch ist an moderner Popmusik: Ein schlichtweg schlecht gemachter Beat, komplette Inhaltslosigkeit, Abgeh-Synthie-„Riffs“, deren Zeit nun echt mal vorbei sein sollte, und Pitbull. Und wenn man das zusammenmischt, kommen 440 Millionen Youtube-Views raus.

Andreas Gablier – I Sing a Liad für Di

DJ Ötzi – I Sing a Liad für Di

Ziehharmonika, heile Welt!

LMFAO – Party Rock Anthem

Manche Songs sind betrunken einfacher zu ertragen, aber manche Songs kann man nicht mal mehr mit bewusstseinsverändernden Substanzen verbessern. „Party Rock Anthem“ ist einer davon. Bitte was finden die Kids an diesen stumpfen Beats und den absichtlich dissonanten Synthie-Leads? GTFO, LMFAO.

Culcha Candela – Hungry Eyes

Mit Culcha Candela habe ich schon lange abgeschlossen – ziemlich genau seit der ersten Single. Der Vergleich mit Seeed war schon immer sinnlos. „Hungry Eyes“ ist vor allem eins: langweilig. Ich habe noch auf irgendeine Art Hook gewartet, als ich gemerkt hab, dass sie schon vorbei ist. Der „du ziehst mich an, ich dich aus“-Witz? Wo sind wir hier, in der achten Klasse?

Mike Candys & Evelyn feat. Patrick Miller – One Night In Ibiza

Was soll denn aus einem Song werden, der schon Ibiza im Namen erwähnt? Der gleiche alte Dance-Beat mit wirklich schlechtem Rap. Dass sich manche Leute immer noch nicht zu schade sind, irgendwelche Reime mit „Shake your ass, get down in the club“ (was ein ziemlich genaues Zitat ist) zu schreiben. Schauderhaft.

Rosenstolz – Wir Sind Am Leben

Kleine Kinder in Videos? Check. Klaviergeklimper? Check. Oberflächliche Motivationsbotschaften? Check. Unterirdische Metaphern? Check. Ich warte nur noch auf die Rosenstolz-Unheilig-Kollabo feat. Ich und Ich. Und dann, Freunde, gebe ich mir die Kugel.

Pietro Lombardi – Going to L.A.

Kurz gegooglet: Pietro Lombardi kommt von DSDS. Das hätte man allerdings auch am sehr, sehr, sehr Bohlen’schen Text erkennen können. Mit Los Angeles hat der Unfug nun gar nichts zu tun, außer, dass das Video wohl da irgendwo gedreht wurde. Dass  der Junge nicht singen kann, wird elektronisch geschickt überspielt, aber das Wort „Baby“ benutzt er immer noch inflationär häufig. Es geht natürlich um die Liebe, und das über Musik, für die sich Mickie Krause schämen würde.

Foster the People – Pumped Up Kicks

Oh wow. Ein anständiger Song? In den Top 20? In Deutschland? Mir fehlen die Worte.

Naja, eigentlich nicht, das passiert nicht so oft. Das fröhliche Rumgepfeife wäre unerträglich, wenn da nicht der Text wäre, der im genauen Gegensatz dazu steht.

David Guetta feat. Usher – Without You

Ich brauche diesen Song nichtmal zu hören, um genau zu wissen, wie er klingt. Und mehr will ich auch gar nicht dazu sagen. Meine Tastaturabnutzung kein Preis, den ich für Aufmerksamkeit für diesen Song zahlen will.

10. Avicii – Levels

Es ist ja nicht so, dass ich prinzipiell etwas gegen Dance Music hätte. Zum Tanzen, im Club, alles gerne. Was ich nur nicht verstehe, ist, wie man den Kram als Single kaufen und sich alleine im stillen Kämmerchen reinziehen kann. Abgesehen davon: Ganz netter Track, der sich irgendwelchen krampfhaften Alibi-Rap spart.

9. Nickelback – When We Stand Together

Hatten wir das nicht schonmal? „If everyone cared…“ und „together – forever“-Reime. Das einzig Interessante: Chad Kroeger scheint irgendwo ein Glätteisen gefunden zu haben.

8. Udo Lindenberg Feat. Clueso – Cello

Rumgemurmel mit Streichern.

7. Pitbull Feat. Marc Anthony – Rain Over Me

Wie tief ist BMW gesunken, so einen unfassbaren Schund mit Product Placement im Video zu unterstützen? Diese beiden Kerle müssen der Grund sein, warum so viele Amerikaner gerne eine befestigte Grenze zu Mexiko hätten.

6. Adele – Someone Like You

Auch wenn ich kein großer Fan von Adele bin, muss man sich doch mal freuen, ein bißchen ehrliche, gut gemachte Musik in Verkaufscharts zu finden.

5. Flo Rida – Good Feeling

Ich würde mich auch gut fühlen, wenn ich so talentlos wäre und doch so erfolgreich.

4. Lana Del Rey – Video Games

Nur weil der Track eine willkommene Abwechslung zu dem ganzen Gedröhne bietet, heißt das nicht, dass „Video Games“ irgendetwas anderes als unspektakulär ist. Lana Del Rey kann ich mir eher als Albumkünstlerin vorstellen denn als Hitgarant, und in ein gutes Album könnte „Video Games“ sicherlich passen.

3. Aura Dione – Geronimo

Wenn ich nicht wüsste, von wem „Geronimo“ ist, würde ich schwören, dass es ein Lady Gaga-Song ist. Ich habe die Dance-Remixes schon im Kopf, und überhaupt ist es verwunderlich, dass die Produzenten nicht von vornherein auf stampfende Beats bestanden haben. Und der Song nervt schon beim ersten Hören – was natürlich auch ein Talent ist.

2. Taio Cruz feat. Flo Rida – Hangover

„I got a hangover, oho, I been drinking too much, for sure“. Einfallsreich. Mir gehen langsam die Beleidigungen für die immer gleichen, langweiligen, monotonen Synthie-Autotune-Opferrap-Dancetracks aus. Und immer sind entweder Pitbull oder Flo Rida am Start. Widerlich.

1. Rihanna – We Found Love

Alles, was über Rihanna zu sagen ist, hat slate.com schon gesagt. Wie immer verhurt sie sich im Video, wie immer ist ihre Stimme unterschwellig nervenaufreibend, wie immer sind die Beats Dr. Alban-würdig, wie immer sind die Lyrics hohl, wie immer ist der Spannungsaufbau zum Abtanzteil lächerlich überzogen und durchschaubar. Dieser unsägliche Trend… unfassbar.

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3 Antworten to “Der Single Charts-Überblick, Kalenderwoche 47/48”

  1. Texas Says:

    Der Like-Button unten funktioniert bei mir nicht!

    *Like*Like*Like* !!

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