Twilight – Breaking Dawn (Biss zum Ende der Nacht), Part I (2011)

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Der neue Film aus der „Twilight“-Reihe also. Wer auch immer auf die Idee kam, diese Machwerke „Saga“ zu nennen, leidet an bemitleidenswerter Megalomanie.

Ich will mein Fazit nicht vorwegnehmen, aber ich habe das Gefühl, dass ein großer Teil meiner Hirnzellen rituellen Selbstmord begangen hat. Nach dem Klick all die Absurditäten dieses Films, auf einen Haufen geschmissen und mit traurigem Kopfschütteln examiniert.

Zusammengefasst:

Edward und Bella heiraten. Bella ist schwanger mit seinem Vampirkind. Sie gebärt es, muss aber zum Vampir gemacht werden. Jake verliebt sich in ihr Baby.

Jeglicher Konflikt verpufft im Nichts. Jegliche Information ist implizit. Jeglicher Charakter ist bereit, für Bella zu sterben. Bis auf ihr Baby.

So sehr ich auch nach welchen gesucht habe, hat der Film keine Eigenschaften, die all das Negative wieder wettmachen. Die Charaktere sind flach, unlogisch, inkohärent und stereotyp, der Plot ist keiner, die Spannungskurve ist ungefähr so steil wie der Idiotenhügel im Schwarzwaldskigebiet, und das Beste, was man über Bill Condons Regie sagen kann, ist, dass sie den Film nicht noch schlechter macht.

Der Move, das Buch in zwei Filme aufzuteilen, hat bei Harry Potter funktioniert. Im Falle von Twilight wird aber schmerzhaft klar, dass der einzige Grund dafür Profit war.

Viel Spaß an die, die jetzt noch die ausführliche Besprechung lesen wollen.

Vorneweg: Wer sich mit der Vorgeschichte nicht auskennt, ist in diesem Film hoffnungslos verloren. Aber auch ich, der ich die ersten drei Filme aus akademischem Interesse geschaut habe, war über weite Stellen hinweg vollkommen verwirrt. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, die Story in eienn Kontext zu setzen; die Review schmeißt euch mitten herein.

Die Hochzeit

Was die Karriere wohl noch bringt?

Es braucht ganze 51 Sekunden, bis unser Liebling Jake sein Shirt auszieht, damit er sich in einen Wolf verwandeln kann. Grund für die Melodramatik ist die Einladung zu Eddies und Bellas Hochzeit. Alles andere als besorgt ist hingegen Bellas Mutter, die dümmlich grinsend ihrem Mann mit der Einladung winkt. Dass ihre 18-jähirge Tochter einen Kerl aus dem Dorf heiratet, den sie gerade mal ein Jahr kennt, scheint nicht der geringste Anlass zur Sorge zu sein.

Auftritt Eddie: Während den Hochzeitsvorbereitungen im Haus im Wald tritt er gedankenverloren und hübsch auf die Veranda und start tiefsinnig in vor sich hin. Währenddessen starrt Bella ihn geifernd von an. Aus irgendeinem Grund erzählt E zum C Bella dann, dass er mal Menschen umgebracht hat. Am Anfang des letzten Jahrhunderts. Nein! Fast wie ein echter Vampir! Selbstverständlich waren das aber böse Menschen.

„All the men I killed were monsters“, sagt Eddie, aber schuldig fühlt er sich trotzdem.„Nein!“ schreit Bella, „Du kannst nichts falsch machen in meinen Augen! You probably saved more lives than you took!“

Die Moral von der Geschicht (die dem Plot nichts weiter bringt): Selbstjustiz ist deine Pflicht.

Fast ein Lächeln?

Und dann ist es endlich soweit – die Hochzeit. Warum sich keiner der Gäste wundert, dass Eddies Daddy siebzehn gleichaltrige Teenagerkinder hat, die es noch dazu miteinander treiben, geht über mein Wissen hinaus. Aber natürlich ist die Hochzeit atemberaubend schön, mit Moos auf dem Boden und weißen Blumen, und Trauerweiden und Blüten und alle haben Anzüge und Kleider an und es sind auch keine störenden Minderheiten in der Festgemeinde.

Die Hochzeitszene beinhaltet außerdem das einzig realistische Gespräch in den ganzen hundert Minuten, die sich „Part I“ nennen:

„Do you think it’s showing?”

“She’s not pregnant!”

“Why else would you get to be married at 18?”

Trotz all der unterwerfenden Anbetung für ihren Bräutigam sieht Bellas Gesicht wie ein akutes Warnzeichen für einen Kotzanfall aus – was natürlich auch an Kristen Stewarts Schauspielerei liegen könnte. Oder Absicht sein könnte. Oder, oder… man weiß es nicht. Wie so oft in dem Film bleiben einem Motive und Hintergründe der Charaktere absolut verborgen.

Der Priester jedenfalls geht gleich zur Sache. „Wir sind versammelt, um die Vermählung von Eddie und Bella zu feiern. Willst du, Edward…“ Warum brauchen Untote eine christliche Hochzeit?

Des isser! Mein Traummann!

Die Glückwünsche nach der Vermählung strotzen nur so vor einfallslosen Anspielungen auf das Vampirdasein, die das 13jährige Publikum wohl vor Informationsvorsprung gegenüber den ahnungslosen menschlichen Hochzeitsgästen glucksen lässt. Als es dann doch ein Sprecher wagt, Sex zu erwähnen, geben sich die Gäste peinlich berührt. Also bitte! Wir sind hier bei einer Hochzeit!

Nachdem Eddie Bella in den Wald führt, weil da Jake (mit Hemd) steht, und ein harscher Streit ausbricht, ist der Zuschauer verwirrt: Worum ging es hier gerade? Der Film lässt einen im Dunkeln, aber durch Spekulieren wird es klar: Sex. Das Wort wird zwar nicht ausgesprochen, aber anscheinend will Eddie es tatsächlich wagen, Bella zu entjungfern – ohne, dass er sie vorher zum Vampir macht. Für Jake ist klar: Eddie wird sie töten. Wütend rennt er in den Wald (das ist übrigens seine Standardreaktion auf Situationen, die ihn überfordern). Vielleicht sollte er einfach mal da bleiben. Das wäre jedenfalls weitaus weniger creepy, als mit seiner ewigen Flamme und ihrem Mann über ihre Entjungerfung zu streiten.

Die Flitterwochen

Wer hätte das gedacht!

Eddie und Bella fahren jedenfalls im neuen Volvo S60 (schaut mich an!) nach Rio de Janeiro, und von dort aus mit einem winzigen Bötchen auf eine einsame Insel mit einer luxuriösen Villa. Das Bett in dem Haus steht erleuchtet da wie ein Monument für Stephenie Meyers Prüderie, und das Ehepaar druckst sich peinlich berührt davor herum. Eddie erlöst Bella, indem er nackt im Meer baden geht. Sie macht sich in der Zwischenzeit fertig für Sex; putzt sich die Zähne, rasiert sich die Beine, nachdem sie noch Stunden zuvor auf ihrer Hochzeit im kurzen Kleid herumgetanzt ist, sucht passende Unterwäsche, weil ihre notgeile Vampierziehschwester es gewagt hat, ihr nur anrüchige Sachen einzupacken, und entscheidet sich dann doch, im Handtuch auf den Strand zu treten, was wohl eine Message für Natürlichkeit in Frauen sein soll.

Bella leidet allerdings physische Qualen, bevor sie das Handtuch fallen lässt, zu Edward ins Wasser tritt, zurück mit ihm ins Bett geht und ihn da fickt. Mit einem einfachen „I trust you“ tut sie jegliche Zweifel ab, dass er sie eiskalt zerfleischen wird, wenn ihn die Lust übermannt.

Was war noch mal die Ausrede der ersten drei Filme, warum es die beiden nicht treiben können? Wieso dürfen die beiden auf einmal Sex haben? Na, weil sie jetzt ein Ehepaar sind! Willkommen in der wundervollen Welt der Stephenie Meyer. Aber das hat Bella davon: Sie wacht mit Prellungen auf. Nie wieder Sex!, sagt sich Eddie da. Aber hach, er ist so perfekt: Bella solle sich doch bitte nicht drum kümmern, obs ihm gefallen hat, auch wenn der nächste Satz „Last night was the best night of my existence“ lautet.

Abb. 1: Gesundes Verhalten in den Flitterwochen

Ein Schachspiel ist die Metapher für Sex in der nächsten Montageszene, die wohl über zwei Wochen dauern soll. Letzten Endes heißt es schachmatt für Eddie – er muss wieder in den Flitterwochen mit seiner Frau schlafen. Verdammt! Und sie musste dafür nur einen feuchten Traum haben, mit dem sie ihm Schuldgefühle einreden konnte. Er so: „I can’t“, sie so: „Please!“

Die Schwangerschaft

Währenddessen schwelgt Jake in Rachefantasien. Das würde ich allerdings auch, wenn ich wüsste, dass Eddie kurzärmelige Hemden trägt. Aber in Stephenie Meyers Vorstellung bleibt Sex nie unbestraft. Und so merkt Bella nach ganzen zwei Wochen, dass sie schwanger ist. „That’s impossible“, sagt sie. „Can this happen?“ Nun, die Antwort lautet meistens ja, wenn es um ungeschützten Sex geht.

So kanns gehen

Allerdings muss es da um mehr gehen. Worum genau, wird im Film partout nicht erklärt. Die einzige Erklärung, die ich mir vorstellen kann: Vampire können keine Kinder mit Menschen zeugen. Aber ich bin mir da nicht sicher. Und jetzt fängt die Moralkeule erst an zu schwingen. Die nächsten 60 Minuten des Films sind eine einzige Anti-Abtreibungspropaganda, die Michelle Bachmann die Schamesröte ins Gesicht treiben würde, wenn ihr Mann ihr nur erlauben würde, ins Kino zu gehen. „We’ll get that thing out“, verspricht Eddie. Implizit schein jeder zu wissen, dass ein mörderisches Monster in Bellas Uterus heranwächst. Das wird allerdings auch nicht erklärt, man soll es sich halt denken. „Thing?“ fragt Bella nur.

Mit dem Privatjet geht es zurück in den Wald. Als Jake hört, dass es Bella scheiße geht, stürmt er das Haus der verfeindeten Vampire. Bella sieht nach vier Wochen Schwangerschaft aus wie nach acht Monaten. Außerdem ist sie im höchsten Maße affig auf krank und gebrechlich geschminkt – Uhu und Mehl hätten wohl einen genauso guten Job getan. Jake jedenfalls dreht sich wütend zu Eddie um und fährt ihn an: „You did this!“ No shit, Sherlock, wer sonst?

Wie alles in Meyers Fantasiewelt ist es außergewöhnlich bequem, dass weder Ultraschall noch die Hellseherei der einen Vampirin da funktionieren. Und so wird der Zuschauer im Dunkeln gelassen, was es nun ist, das da wächst. Nur schlimm ist es wohl. Als es eine der Schwestern wagt, einen Fötus „Fötus“ zu nennen, zischt sie eine andere der Schwestern (ich werde mir nicht die Mühe machen, die Namen von Charakteren rauszufinden, die ganze fünf Lines im ganzen Film haben) nur „Baby!“

Eddie jedenfalls muss aus irgendeinem Grund mit Jake reden. Jakes Daseinsberechtigung im Film wird eingeführt mit „You have a connection I’d never understand.“ Jake soll Bella zur Abtreibung bewegen. „What if i can’t?“ fragt der. „She dies.“ Juhu, der Charakter ist irgendwas wert, wenn auch nichts, was vorher auch nur vage angedeutet worden wäre. Für Bella ist das Ding, das sie mit absoluter Sicherheit töten wird, jedenfalls ein „miracle.“ Es geht ja nicht um die Frage Pro-Choice oder Pro-Life, es geht um ein klein wenig Realismus in dieser Story.

Absolut wert, mit ihr die Ewigkeit zu verbringen

Die Motivation aller Charaktere an dieser Stelle ist komplett unklar. Dass Mütter eine Beziehung zu ihrem Ungeborenen aufbauen, scheint nun logisch, aber Bellas konsequente Weigerung, ihr eigenes Leben als schützenswert zu erachten, kommt komplett aus dem Blauen. Es ist nun mal so: Sie ist schwanger, und sie wird sterben. Sie stellt es nicht mit einem Wort in Frage.

Wölfe tun irgendwas

Dann heult auf einmal ein Wolf, andere Wölfe rennen zwei Minuten durchs Bild (was wohl der Ersatz für eine Actionszene sein soll), und dann reden Wölfe auf einmal, was sie zwar sonst auch nicht konnten. Aber wer achtet an dieser Stelle in diesem Film noch auf solche Kleinigkeiten? Was bei der Diskussion herauskommt, muss man wieder mit Vermutungen begründen: Bellas Kind wird wohl gefährlich für die Werwölfe sein. Diese für den Rest des Films entscheidende Tatsache wird aber nie deutlich ausgesprochen.

Die Inkohärenz des ganzen Films ist geradezu erschreckend. Schon in den Vorgängern wurden ständig neue Umstände eingeführt, die Motivationen und Aktionen von Charakteren erklären sollten, in den Filmen davor oder danach aber keinerlei Rolle mehr spielten. Meyer bedient sich einfachster Plot-Kniffe, um ihr Publikum bei Laune zu halten; Spaß macht das nicht.

Jake jedenfalls tritt aus dem Rudel aus, weil er Bella ja immer noch unsterblich liebt, sein Bruder und seine Schwester schließen sich ihm aus irgendwelchen Gründen an, Jake sagt Eddie, dass sie kämpfen werden, seine Schwester weiß rein zufällig, was der Angriffsplan der Wölfe ist, und alles ist tiptop. Jake redet in der Zwischenzeit irgendwelchen Kram mit seiner Schwester, den aber keiner verstehen kann, weil ihr Charakter jämmerlich flaches Füllmaterial ist.

"Wer bist du nochmal?"

Gleichzeitig sucht Eddie auf seinem Mac mit Yahoo nach Bildern von dem Ding, was in seiner Frau wächst, ungeachtet der Tatsache, dass alle zu wissen scheinen, was es tut, kann und ist. An dieser Stelle geht der Film komplett den Bach runter und scheißt auf jeden Anschein von Sinnhaftigkeit. Bella hält Eddie noch mal eine Rede, dass sie das Kind behalten muss und dass es nicht die Schuld des Babys ist, wenn sie stirbt, während Eddie in einem spontanen Anfall von Realismus sagt, dass er das Kind nicht lieben kann, wenn es Bella tötet, Cullens haben übrigens eine komplette moderne Arztpraxis im Haus, Jake muss Bella mit seinem Körper wärmen, weil alle anderen Vampire sind und nicht eine Millionen Decken in dem riesigen Haus rumliegen, und Bella meint zu Jake „It feels complete when you’re here“.

An dieser Stelle möchte ich innehalten und darüber nachdenken, wie es sich anfühlen muss, ein Charakter in Stephenie Meyers Werken zu sein.

Ohne Begründung seines Wissens meint Jake, es sei doch eine geile Idee, wenn Bella mal so Blut so trinken würde, weißte so, und ja, super, Cullens füllen Blut in einen Pappbecher mit Strohhalm und Bella geht’s sofort besser. Der Klassiker folgt: Bella vertuscht am Telefon ihre Schwangerschaft vor ihrem Redneck-Vater, der sich dann doch langsam Sorgen macht.

Wo sind eigentlich die Wölfe, die Blutrache und Mord geschworen haben?

Eddie kann auf einmal die Gedanken von Bellas Kind lesen und findet heraus, dass es ihre Stimmen mag. So schnell geht das: von Killer zu Wunschkind. „He’s good and pure“, bleibt Eddies einziger Kommentar. Was dann kommt, verstehe ich nicht. Cullens müssen wohl jagen, weil selbst Meyer-Vampira ab und an ihr Tierblut brauchen, aber die Wölfe streichen draußen rum. Jake kann sie nicht beschützen oder doch, dann wird er von seinem alten Rudel gestellt und sagt ihnen, er würde das Kind töten, dann scheint das aber eine Lüge gewesen zu sein, die die Wölfe ablenken soll, während die Vampire jagen. Bella jedenfalls sagt, dass sie ihr Kind „Edward Jake“ nennen will, wenns ein Junge wird.

Wer.

Hätte.

Das.

Gedacht.

Dann bricht das Kind ihr Genick, und die Geburt beginnt.

Die Geburt

Wie praktisch, dass alle Utensilien für eine Geburt hier so rumstehen

Ich will euch die hanebüchenen Details ersparen (haha, denn bisher gabs ja noch nicht genug davon), aber Eddie beißt Bellas Uterus auf und sie stirbt. Dann spritzt er ihr mit einer Spritze sein Vampirgift ein und dann beißt er sie, damit sie zum Vampir wird und die Tortur überleben kann. Währenddessen nennt er sie „Baby“, was so bestimmt nicht im Drehbuch stand.

Jake entscheidet sich dann, das Neugeborene doch zu töten. Doch als sie (eine sie übrigens) ihn ansieht, verliebt er sich anstattdessen in das fünf Minuten alte Kind. „Imprinting“ nennen Wölfe das, „komplett hirngefickt“ nenne ich das.

Aber alles eitel Sonnenschein, denn jetzt können die anderen Wölfe das Kind nicht töten. „Their most absoulte law“ nennt Eddie das, „deus ex machina“ nenne ich das.

Nach ner Weile wacht Bella auf und hat rote Augen.

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